Backbuch von Agnes Prus: Let it snow

Backbuch von Agnes Prus: Let it snow ★★★☆☆

Let it snow – 24 Plätzchen
und Kekse für dich
Agnes Prus
Fotos: Frauke Antholz
Hölker Verlag (2017)
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Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Let it snow ist ein hübsches, kleines Plätzchenbuch von Agnes Prus, einer Kunsthistorikerin, die sich dem Backen zugewendet hat. Aus der biografischen Angabe könnte man folgern, dass uns Liebermann-, Paul-Klee- und edle Lovis-Corinth-Plätzchen erwarten, aber angekündigt werden lediglich 24 feinste Winterplätzchen.

Dabei lassen sich die verspielt inszenierten süßen Kostbarkeiten zwischen Rehen und Spielzeugautos nach einer Stöberrunde klar skizzieren. Die Autorin verwendet alternative Süßungsmittel wie Rohrohrzucker, Zuckerrübensirup, Kokosblütenzucker und braunen Zucker. Die Mehlart lässt sie überraschend offen, gewürzt wird mit Bekanntem von Vanille bis Anis. Die derzeit populären Trockenfrüchte finden sich im Früchtebrot-Wirbel, in den Mandel-Aprikosen-Plätzchen und in den Walnuss-Feigen-Dattel-Monden.

Klassiker präsentieren sich hier nicht, sondern Variationen derselben wie Orangen-Mandel-Kipferl oder eine ganze Pfefferkuchenstadt. Sie basieren mal auf dem Hinzufügen einer weiteren Zutat – Apfel und Mandelmus für den Lebkuchen – oder auf handwerklich dekorativem Aufwand wie bei den Mandelkrokant-Schneeflocken in entsprechender Form. (Links die Autorin)

Weihnachtsthemen in Plätzchen-Gestalt

Letzteres prägt die Rezepte. Agnes Prus‘ Plätzchen folgen der spielerisch-dekorativen Interpretation des Weihnachtsthemas in traditioneller Manier. Das sieht hübsch aus. Die Glückspilze sprießen hier als Nachahmung mit Stil und Köpfchen. Die Glühweintörtchen sind drei Schichten kleiner werdende Kekse mit Gelee. Die Schoko-Schneemänner sind vollständig mit einem Puderzuckerguss mit Milch beschichtet. In der Formsprache ist die Autorin detailverliebt kreativ.

Wir entschieden uns als Auftakt  für den Apfel-Lebkuchen mit Pflaumenmusfüllung mit einer interessanten Mischung aus Mehl und Roggenvollkornmehl. Nachdem ich dann im Oktober saisonal verfrüht einen ganzen Nachmittag Lebkuchengewürz erfolglos gejagt hatte, um es schließlich in meiner Chaos-Schublade zu finden, wurde ich kalt überrascht: Der klebrige Teig ließ sich bei mir nur mit sehr viel Energie und Aufwand auf 5 mm dünn ausrollen. Aber dann ausstechen – weit entfernt. Auch die Zugabe von „etwas“ Mehl ändert es nicht, aber wie viel Mehl extra tut dem Teig gut? Hier hätte ich mir gewünscht, als Leserin mehr abgeholt zu werden. Gute Zubereitungsbeschreibungen umschiffen offensichtliche Klippen. Die sonst klare Rezeptsprache könnte dahingehend ergänzt werden.

Ambivalenz

Es ergab sich dann ein ambivalentes Bild beim Nachbacken. Die Teige verlangten rasche Verarbeitungen, für Kinderhände ein Ausschlusskriterium. Aromatisch überzeugten mich  die Orangen-Mandel-Kipferl, die ich während des Schreibens der Rezension genieße – sehr elegant. Die Pistazien-Hagebutten-Kränze lockten vor allem wegen der Hagebutte und auch wenn ich die Form abgewandelt habe, sind sie immer noch eine Augenweide. Die Schoko-Pekannuss-Schneebälle waren wegen des Schnee-Effekts ein Learning, mundeten eher trocken und aromatisch zu defensiv.

Zum Weiterlesen

Leseprobe aus Let it snow

Agnes Prus bei Instagram

Let it snow ist in handwerklich lustvollen wie begabten, erwachsenen Händen richtig und erst recht bei Bäckerinnen, die auf weißen Zucker verzichten möchten. Die ehemalige Kunsthistorikerin Agnes Prus setzt auf gestalterisch kreative Interpretationen der Klassiker, die das weihnachtliche Thema von Schneebällen über Tannen traditionell, dabei optisch verspielt füllen. Die Qualität der Plätzchen-Rezepte selbst hat mich nicht ganz überzeugt: hier fehlte eine Für-den-Fall-dass-Erläuterung, da der letzte Feinschliff oder es war der Genuss, der der Erwartung nicht genügte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2017

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