Kochbuch von Angel Adoree: The Vintage Tea Party Book

Kochbuch von Angel Adoree: The Vintage Tea Party Book ★★★★★

The Vintage Tea Party Book – So gelingt die perfekte Tea Party
Angel Adoree, Fotos Yuki Sugiura, Dumont Verlag (2012)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Annick Payne

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

OH! AH! HMMM… ich kann mich kaum beherrschen, es ist Liebe auf den ersten Blick. Vor mir liegt eines der schönsten, liebevoll gestaltesten Kochbücher, das ich je in der Hand gehalten habe. Auch wenn ich eine Schwäche für den englischen Afternoon Tea habe, Angel Adorees Vintage Tea Parties ist einzigartig. Überwältigend! Grandios!!

Anm. d. Red.: Oktober 2011 ging diese Rezension online. Damals stand die englische Originalausgabe im Mittelpunkt. Zu unserer Freude wurde das Buch ins Deutsche übersetzt und ist seit Frühjahr 2012 im Handel. Ein Kompliment verdient die Entscheidung des dt. Verlags, dass an der Gestaltung der Originalausgabe nichts Entscheidendes verändert wurde.

Der Band lebt von seinem aufwendigen Design und einer wundervollen Rezeptauswahl. Das Vintage Element ist ein Hommage an das frühe 20. Jahrundert, v.a. an die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, die in Angels Interpretation überaus charmant daherkommen. Viele Gestaltungselemente erinnern an die Art Deco Periode bzw. das englische Arts & Crafts Movements. Alleine die Rezepttitel, begleitet von einer Taschenuhr, welche die Kochzeit angibt, möchte man fast streicheln, so hübsch sehen sie aus. Das Buch ist durchzogen von kleinen Zeichnungen, mal ist die Taschenuhr von einem Fuchs eingerahmt, oder eine Eule hält die Zutatenliste. Ganz zu schweigen von kleinen Aquarellzeichnungen hier und da, z.B. einem Häschen, das vor einem leeren Teller sitzt. Stilsicher wirkt die Buchgestaltung und niemals gewollt niedlich, sondern selbstbewusst und attraktiv.

Die Einleitung befasst sich mit der Frage nach dem perfekten Ort für eine Tea Party, bietet stylische Vorlagen für Einladungskarten und erläutert, wo man welches Zubehör auftreiben kann. Das meiste hat jeder Teetrinker bereits im Haus, aber ich fürchte, eines Tages brauche ich einen Egg Coddler, damit ich die tollen Rezepte hierfür ausprobieren kann. Angel legt Wert auf die richtige Küchenatmosphäre, entspannt, aber wohl organisiert. Vor allem rät sie dazu, Spaß zu haben. Zu guter Letzt gibt es eine Anleitung, wie das perfekte Kopftuch zu knoten sei – in den 40er Jahren war das auch bei uns mal Mode.

Die ersten drei Kapitel “Brunch”, “Afternoon Tea”, “Evening” widmen sich den Rezepten, während das letzte Kapitel “Style” Informationen zu Vintage Kleidung, Frisuren, Make-up, falschen Wimpern und auch Stylingtipps für Männer enthält. Angenehm unterbrochen werden die Kapitel durch kleine Essays, die vielerlei Bastelprojekte aber auch beispielsweise Vorschläge für Gesellschaftsspiele enthalten. So lehrt uns Angel, eine Art Deco Schürze zu schneidern, Porzellan zu bemalen, Blumen anzurichten, Hüte herzustellen (die nächste royale Hochzeit kommt bestimmt), Kerzen zu gießen – auf die britische Flagge kommt eine junge Queen Elizabeth, man muss nur die heraustrennbare Schablone benutzen. Britisches Empire in Bestform, schrullig, aber eindeutig “Cool Britannia”.

Die Rezepte sind durchweg appetitanregend, ich habe nicht eines gefunden, das mich nicht reizt, meine Nachkochliste geht über mehrere Seiten. Eigentlich schreit dies Buch danach, von hinten bis vorne durchgekocht zu werden. Hier ein paar Verlockungen: Zwiebel und Kartoffeltörtchen in Blütenform, getoastete Schokoladen-Briocheherzen, Orange & Lemon Curd, Whiskymarmelade, herzförmige Gurkensandwiches, Marmeladensandwich-Lollis, Filoteigkörbchen mit Stilton, Birne und Walnüssen, gestreifte Baisers, Rosen-Pannacotta, Kirsch-Schokoladen Trifle, essbare Juwelen, Earl Grey Trüffelherzen, Garnelentöpfchen, Forellentartar, Hühnerleberparfait, Kalbsrouladen, vielerlei Tarts & Pies, Friedhof der Salatpflanzen, gefüllte Artichoken, Pilze in Aspik – läuft Euch nicht das Wasser im Munde zusammen?

Angels Getränkliste kann sich ebenfalls sehen lassen. Da wäre ein schottischer Morgentrunk namens Athol Brose, der aus Haferflocken, Sahne, Honig und Whiskey besteht (wag ich das zum Frühstück?), heißer Himbeercidre, Blutorangenlimonade, Bellini-eiswürfel. Natürlich darf auch der Tee nicht zu kurz kommen, von Eistees bis zu Teecocktails – Teana Colada, anyone? Oder lieber ein Tea-quila Sunrise?

Vor lauter Schwärmerei vergesse ich fast, die Autorin vorzustellen: Angela Newman alias Angel Adoree betreibt die Vintage Patisserie in London, für die sie als Gastgeberin Tea Parties ausrichtet und u.a. individuelle Kuchen, Schokoladen und Tees herstellt. Als Teilnehmerin der BBC Serie Dragons’ Den, in der Existenzgründer ihre Geschäftsideen investitionswilligen Millionären vorstellen, schaffte sie es im vergangenen Jahr, Investoren an Land zu ziehen, um ihr Geschäft auszubauen. Ihr Tea Party Buch ist als Anleitung für die perfekte Vintage Party aufgebaut, doch die Rezepte sind ebenfalls alltagstauglich, viele Rezepte eignen sich für kleine und größere Mahlzeiten. Ob man eine Feier plant oder nur von einem gemütlichen Nachmittagstee träumen will, dieser Band bietet höchsten Lesegenuss. Ein umwerfendes Buch, das seinesgleichen sucht! Let’s Party!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

Meistgelesen

Themen A-Z