Kochbuch von Allegra McEvedy: In 120 Rezepten um die Welt

Kochbuch von Allegra McEvedy: In 120 Rezepten um die Welt ★★★★★

In 120 Rezepten um die Welt: Souvenirs einer reisenden Köchin
Allegra McEvedy, Fotos A. Montgomery, Dorling Kindersley Verlag (2012)
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Annahita Aryafar

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Auch das Zeug zur Nachtlektüre

Lebendig, bunt und spannend – die Souvenirs einer reisenden Köchin gehört mein Herz – es liest sich herrlich! Allegra McEvedy ist eine kulinarische Abenteurerin, für die kein Land zu weit, keine Kultur zu fremd und kein Kochtopf zu heiß ist.

Autorin Allegra McEvedy ist in Großbritannien eine Name, auch wenn ihr Gesicht international noch nicht so bekannt ist wie das von Jamie Oliver. Eine eigene Radiosendung, wöchentliche Zeitungskolumnen sowie ein eigenes Restaurant dürften neben der Arbeit für’s LEON sowie beim Schreiben von 5 Kochbüchern Anerkennung genug gewinnen. Ihre Lust für das Reisen prägte sie während ihrer Lehre. Das Kochbuch In 120 Rezepten um die Welt ist die Erinnerung daran – eine Zusammenfassung ihrer Reisetagebücher mit Rezepten, Erinnerungen und Mitbringseln. Das Besondere: es hat die klassische, etwas staubige Aufbereitung des Bildungsbürgertums über Bord geworfen zugunsten einer lebendigen und persönlichen mit einem Quäntchen Wildheit.

Das Kochbuch ist aufgeteilt nach Ländern. Jedes Landesporträt ist wie ein Sammelsurium zusammensetzt. Die Kapitel werden angeführt von einer Anekdote der Autorin sowie einem Kurzporträt mit relevanten Fakten – wohlgemerkt auch der kulinarischen Besonderheiten wie bekanntester Gerichte, Nahrungsmittelexporten und persönlichem Lieblingsgericht.

Allein auf diesen Doppelseiten habe ich mich verloren in den Erzählungen McEvedys, die über Leichtigkeit und persönlichen Touch verfügen. Beim Umblättern auf die folgende Doppelseite wurden meine Augen groß – neben den Erzählungen prankte jedesmal das Bild eines grossen Messers. Im ersten Moment martialisch und plakativ sind sie eines der gewissen Extras, die das Kochbuch ausmachen. Das Kochbuch entwickelt so definitiv Nachtlektüre-Qualität. Aber zurück zu den Messern: Sie sind McEvedys Sammelleidenschaft geworden während ihrer Laufbahn als Köchin. Sehr weise – brauchbarer als jeder touristische Staubfänger!

Aber dann geht es endlich los mit den Rezepten, deren Reihenfolge einem
roten Faden folgt. “Kleine” Speisen in Form von Frühstück oder Vorspeise leiten die Erinnerungen zum Nachmachen ein, gefolgt von einer Serie an Hauptgerichten, manche endend mit einer oder zwei Süsspeisen. Was diesem Kochbuch ein weiteres gewisses Extra verleiht, ist die Tatsache, dass die Rezepte alle heimischen Homecooking-Charakter haben, nichts mit Schi-Schi oder Sterneküche, sondern bodenständige, für das jeweilige Land alltägliche Speisen. Für mich war vieles, wenn nicht das meiste, neu und unbekannt – und deswegen umso interessanter.

Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich nach den beliebtesten Speisen der persischen Küche gefragt würde; natürlich wählt man die Klassiker, die einfach immer gelingen und so empfand ich auch das Nachkochen. Der Aufwand war kein großer, auch wenn ich so manches Mal spezielle Fachgeschäfte aufsuchen musste – Okraschoten und fermentierte schwarze Bohnen für die burmesische Küche? Da öffnen sich Türen zu ganz neuen Gaumen-Welten! Nicht immer hat es vollends geschmeckt, aber kein einziges Mal habe ich meine Wahl bereut, denn es fühlte sich jedes Mal an wie eine Kurzreise in das ausgewählte Land.

Also, wer sich also gerne in ferne Länder träumt und sein Fernweh kulinarisch lindern mag, der wird sich an den Souvenirs der reisenden Köchin lange satt laben und gleichzeitig mit der Autorin in ihren Erinnerungen schwelgen!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2012

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