Kochbuch von Jennifer Joyce: Meine Asia-Küche

Kochbuch von Jennifer Joyce: Meine Asia-Küche ★★☆☆☆

Meine Asia-Küche: Baos – Snacks – Salate –
Suppen – Currys – Sushi – Dumplings
Jennifer Joyce, Fotos: Phil Webb
Südwest Verlag (2019)

Julia Eckl-Dorna

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Asien – ein Kontinent, der über 50 Länder und 4 Milliarden Menschen umfasst und nahezu unendliche kulinarische Vielseitigkeit. Passt das alles wirklich in ein Kochbuch?

Interessanterweise kenne ich bisher kaum ein umfassendes Kochbuch der Europäischen Küche, dafür aber umso mehr Autoren, die versuchen den asiatischen Raum in ein Buch zu packen. Als ich vor etwa 10 Jahren im Internet auf der Suche nach einem guten asiatischen Kochbuch war, stieß ich auf Neil Perrys „Asia Food“ und lerne übrigens auf diesem Weg Valentinas-Kochbuch.de kennen. Perry ist für mich der Beweis, dass so ein umfassendes Kochbuch auf hohem Niveau möglich ist. Mein Buch weist übrigens mittlerweile zahlreiche Gebrauchsspuren auf. Da ich ein bekennender Fan der asiatischen Küche von Gyozas bis hin zu Udon bin, stürze ich mich mit Begeisterung auf die neue und persönliche Interpretation der asiatischen Küche von Jennifer Joyce.

Kochbuchautorin Jennifer Joyce

Asia-Küche für jedermann

Jennifer Joyce (Foto links) ist im englischen Sprachraum durchaus bekannt: Sie schreibt seit mehr als 15 Jahren für diverse englische Magazine und dies ist ihr zehntes Kochbuch, allerdings das erste, das sich ausschließlich mit der asiatischen Küche auseinandersetzt. Aufgewachsen ist sie in den USA und – ihrem kurzen Vorwort zu entnehmen – ihre ersten Kontakte mit asiatischem Essen waren stark amerikanisch geprägt. Ihre Erwähnung von Chop Suey und Frühlingsrollen erinnern mich auch sehr an die zaghaften Anfänge asiatischer Restaurants in Wien. Damals war das Gericht „Acht Schätze“ schon sehr exotisch. Erst durch ihre Asienreisen hat Joyce die Liebe zur authentischen asiatischen Küche entwickelt und versucht genau diese weiterzugeben. Wichtig ist ihr, die asiatische Küche für jedermann zugänglich zu machen, so ist das abschließende Glossar der Zutaten umfassend und sehr informativ.

Alltagstauglich ohne „Wow“-Effekt

Ehrlich gesagt spricht mich die kitschige rosa Gestaltung des Umschlags nicht wirklich an, dafür ist die Gestaltung innen absolut überzeugend. Schlichte, ansprechende Fotos der Speisen und die Rezepte sehr übersichtlich gegliedert: Vorbereitungs- und Zubereitungszeit sowie kurze einführende Worte und zahlreichen Tipps zum guten Gelingen erleichtern die rasche Übersicht.

Kochbuch von Jennifer Joyce: Meine Asia-Küche

Ohne lange Umschweife widmet sich Joyce sofort den Rezepten, die nicht nach Ländern, sondern nach Art der Gerichte geordnet sind. Der Aufbau des Kochbuchs ist eher klassisch: Von „Vorspeisen und Snacks“ bis „Eisig und köstlich“ werden die unterschiedlichsten Bereiche aufbereitet. Für Fans der asiatischen Teigtaschen (wie mich) widmet sie diesem Thema ein eigenes Kapitel. Auch Eintöpfe und Currys erhalten entsprechend gewürdigt einen eigenen Platz.

Die Mischung der Rezepte ist – wie erwartet – bunt: von vietnamesischen Glücksrollen bis Garnelentoast mit Wasserkastanien und Frühlingszwiebeln und eigene Pickle-Rezepte ist vieles zu finden. Ein großes Plus: Die Zutatenliste sind – für „asiatische Verhältnisse“ – kurz, und die Gerichte sind auch nach einem langen Arbeitstag relativ rasch zubereitet, vorausgesetzt man besitzt einige ungewöhnlichere Grundzutaten wie z. B. Ketjap manis (süße indonesische Sojasauce).

Zum Weiterlesen

Website der Autorin

Jennifer Joyce bei Instagram

Mehr Kochbücher zur asiatischen Küche bei Valentinas

Aufgrund meiner Begeisterung für Teigtaschen beginne ich mit taiwanesischen gebratenen und gedämpften Baozi. Geschmacklich eher einfach, fehlt ihnen eindeutig die Sauce. Zwar wird empfohlen, sie mit Chilisauce zu servieren, ein Rezept jedoch ist nicht dabei. Eine Variante der Bao-Brötchen (asiatische Dampfbrote), Sloppy Joes mit pikantem Hähnchen, kann mich ebenfalls nicht überzeugen: Die Hoisinsauce dominiert auf unangenehme Weise den Geschmack. Auch Rezepte aus anderen Kapiteln, wie das Koreanische Wokgemüse oder der Thailändische Spiegelei-Salat mit Limetten-Chili-Dressing , bleiben unter den Erwartungen. Das Umami-Gefühl will sich nicht einstellen. Die Autorin betont am Anfang, dass es ihr wichtig war, die Rezepte möglichst zu vereinfachen, leider ist dabei wohl die Vielschichtigkeit des Geschmacks, die ich an der asiatischen Küche so schätze, verloren gegangen.

Das Kochbuch punktet mit übersichtlichen Rezepten und relativ kurzen Zutatenlisten, die in jedem gut sortierten Asiamarkt leicht erhältlich sind. Leicht lassen sich mit diesem Kochbuch auch unter der Arbeitswoche asiatische Gerichte auf den Tisch zu zaubern. Leider fehlt ihnen häufig die geschmackliche Tiefe, die die asiatische Küche zu etwas Besonderem macht – unabhängig von der Region.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2020

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