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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | September 28, 2016

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abc – Die Küchenbibel – Eine Enzyklopädie der Kulinaristik ★ ★ ★ ★ ★

abc – Die Küchenbibel – Eine Enzyklopädie der Kulinaristik
Rezension

abc – Die Küchenbibel
Eine Enzyklopädie der Kulinaristik

Hans-Joachim Rose
Tre Torri Verlag, SZ Edition (2015)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Christiane Schwert Von

In Zeiten von Google und Wikipedia,  ja überhaupt in unserer beschleunigten digitalen Wissensgesellschaft, in der Informationen jederzeit und in großer Bandbreite zur Verfügung stehen, hat ein Buch wie die Küchenbibel etwas absolut anachronistisches. Als ich den erstmals 2007 erschienenen „Klopper“ und nun neu überarbeiteten (1248 Seiten!) im Buchladen in der Hand hielt, war ich begeistert, habe mich aber auch gefragt, ob sich das verkauft oder ob der Wiesbadener Tre Torri Verlag in diesem Fall die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat.

Diese Frage zielt auf das Herz des Buches. Es ist die Frage nach Print versus Internet, die in der Foodblogger- ebenso wie in der Kochbuchszene Thema ist (siehe auch Kulinarischer Report an dieser Stelle). Es ist der Spagat in dem sich die Verlagsbranche und eben auch dieser Blog bewegt, in dem online Print-Produkte besprochen werden. Das dies kein Widerspruch sein muss, sondern das eine vom anderen profitiert, diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch.

Print gewinnt!

Im Falle der Küchenbibel muss ich jedoch sagen: Print gewinnt! Ein Argument das für mich immer noch maßgeblich ist, ist die Frage nach der Seriosität von Informationen, die im Internet kursieren. Es gibt keine direkte Kontrolle, nicht immer eine sichtbar verantwortliche Person. Und ich finde es häufig doch recht mühselig und zeitraubend die Masse an Informationen zu sichten und zu filtern. Das hat nun in der Küchenbibel Hans-Joachim Rose in jahrelanger Fleißarbeit für „Fachleute, Hausfrauen und Hobbyköche“ fundiert und praxisnah getan. Der Koch und Gastronom mit 40jähriger Berufserfahrung hat 15 000 Begriffe (!) zusammengetragen und aufgeschrieben. Das Ergebnis ist grandios! Rose steht mit seinem Namen für den Inhalt, und der hat es in sich! Für mich als ambitionierten Laien in Sachen Kochen und Ernährung ist bisher keine Frage offen geblieben.

Die Bandbreite der behandelten Themen und Stichpunkte ist riesig, die Informationen sind seriös aufbereitet mit ernsthaftem Wissensgehalt ohne dabei dröge zu sein. Vielmehr schlägt man einen Begriff nach, blättert zu einem Verweis, liest sich rechts und links fest. Natürlich darf man auch nicht verschweigen, dass es sich hierbei um reinen Fließtext handelt, der nahezu ganz ohne Bilder bzw. Illustrationen auskommt, aber es handelt sich eben um ein Nachschlagewerk mit über 15.000 Begriffen.

Kuechenbibel-2016-valentinas-insideEin tiefschürfender Fundus an Informationen

Es finden sich Übersetzungen von Speisekarten, über 2000 Grund- und Spezialitätenrezepte, Tipps aus Gesundheit, Gastronomie, Haushalt und Ernährung ebenso wie Saison- bzw. Nährstofftabellen sowie 2.000 Allgemeintipps. Auch Fragen nach z. b. der Bezeichnung der einzelnen Fleischteile oder den verschiedenen E-Nummern werden detailliert beantwortet.

Super ist auch die Würztabelle gegen Ende des dicken Buchs. Erst werden alle (na ja, auf jeden Fall sehr viele) Gewürze beschrieben. Dann folgt eine lange Tabelle verschiedenster Gerichte, zunächst in klassischer Form, um in einer zweiten Spalte weitere Würzmittel bzw. Tipps für eine exotische Zubereitung zu geben. So gibt es z. B. ein Weißkrautsalat-Rezept mit Speck, für eine exotische Zubereitung schlägt Rose Äpfel, Ananas und Nüsse vor und als alternative Würzmittel Honig, Ingwer oder Dillspitzen.

Aber eine Tabelle ist nicht genug. Es folgen Übersichten aller E-Nummern, eine Vitamintabelle, ein Fünf-Sprachen-Übersetzer (Aprikose, apricot, abricot, albicocca, albaricoque), eine Purin- & Harnsäuretabelle und eine Nährstofftabelle. Fehlt eigentlich etwas?

Vorteil Heimat

Apropos Krautsalat mit Speck: was für mich auch absolut für dieses Nachschlagewerk spricht, ist die Herkunft seines Autors. Bei dem auch, wie ich finde, sehr guten Grundlagenwerk der Anne Willan (Die große Schule des Kochens), merkt man doch immer wieder, dass es eine Übersetzung ist. Herr Rose hingegen bezieht die deutsche Küche mit ein, eine Erklärung für den hessischen Handkäs’ mit Musik findet sich ebenso wie der thailändische Begriff für Maissuppe (Sub khoa pod). Das macht das Werk in meinen Augen erst richtig rund. Schön auch, wenn er über Rinderrouladen – „das deutsche Nationalgericht schlechthin“ – schreibt: „In Wirklichkeit geht es der Roulade wie allen anderen ‚Nationalgerichten’, sie erscheinen immer weniger auf den Speiseplänen der Restaurants ihrer Heimat. Damit die Roulade nicht in Vergessenheit gerät, hier das Grundrezept für 4 Personen: …“

In der qualitativen und quantitativen Tiefe zeigt sich die zeitlose Überlegenheit des Werks. Und wer es bisher noch nicht herausgelesen hat: Ja, das ist eine Empfehlung!

Anm. d. Red: Diese bearbeitete Rezension wurde ursprünglich verfasst für die „Küchenbibel – Enzyklopädie der Kulinaristik“ von Hans-Joachim Rose, Tre Torri Verlag (2009).

Geschrieben im März 2016