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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 29, 2016

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Kochbuch von Yotam Ottolenghi & Ramael Scully: NOPI ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Yotam Ottolenghi & Ramael Scully: NOPI
Rezension

NOPI – Das Kochbuch
Yotam Ottolenghi & Ramael Scully
Fotos Food: Jonathan Lovekin
Fotos Location: Adam Hinton
Dorling Kindersley (2015)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Patricia Rahemipour Von

Für alle Ottolenghi-Fans ein absolutes Muss – keine Frage. Wenn man allerdings noch kein Fan ist, dann ist dieses Buch nicht die erste Wahl. Warum das so ist …

Haben Sie auch des Öfteren mal in der Schule gesessen und schnipsend um die Aufmerksamkeit des Lehrers gerungen? Weil man endlich mal etwas wusste und das sollte gefälligst auch die Welt wissen, oder weil man so dringend bei etwas dran sein wollte, wo kein anderer Vortritt haben sollte? Ich kann mich jedenfalls noch sehr gut an dieses Gefühl erinnern und hatte es seit einiger Zeit wieder.

Wir Valentinen und Ottolenghi – eine innige Umarmung

Yotam Ottolenghi ist in der Kochbuchwelt einer der ganz Großen. Seine Bücher sind eingeschlagen wie die Entdeckung von Wasser auf bisher unbelebten Planeten. Seine Küche ist anders, inspirierend, ungewöhnlich und aufregend. Und sie ist kochbar. Sie passt zur Homekitchen mit all ihren Überraschungen. Wir Valentinen, also die Rezensenten auf dieser Seite, verbinden demnach viele positive Geschmäcker und Erlebnisse mit Ottolenghi und daher bin ich nicht die einzige, die sich auf den neuen Band gefreut hat. Diesmal hat es also gereicht mit dem Schnipsen und ich hielt dieses wunderschöne Buch in den Händen.

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Es ist edel gestaltet mit Goldschnitt und geprägtem Einband. Dem Anspruch, ein Restaurantkochbuch zu sein, entspricht es damit voll und ganz und man freut sich auf die nähere Betrachtung. Das Nopi ist eines der fünf Restaurants, die Yotam Ottolenghi zusammen mit Kollegen in London betreibt. Den Band hat Ottolenghi gemeinsam mit seinem Küchenchef Ramael Scully herausgegeben (links ein Foto der beiden Autoren). Inhaltlich fällt es ein wenig aus der Reihe, weil die klassische Küche der vorangegangenen Kochbücher durch den Mitautor Ramael Scully durch asiatische Elemente ergänzt und angereichert wird. Der Anspruch der Autoren ist es, Restaurantküche für besondere Gelegenheiten auch Zuhause verfügbar zu machen. Die ausführliche Einleitung erzählt die Geschichte des Buches und des Restaurants. Es ist eine schöne Geschichte. Sie erzählt davon, wie ein unerfahrener, aber sehr begabter Koch, sich im Laufe der Zeit eine Stellung erkocht hat und nun im Nopi Küchenchef ist und gemeinsam mit Ottolenghi das Buch herausgibt.

Der Blick ins Inhaltsverzeichnis, das übrigens sehr klassisch nach Gängen aufgebaut ist, macht einen weiteren Punkt von Ottolenghis Arbeit deutlich: Teamgeist und Leidenschaft. Nichts entsteht allein und bei Nopi ist sogar ein Titel des Inhaltsverzeichnisses dem Dank an die Beteiligten gewidmet. Diesen Geist spürt man bei der Arbeit an den Publikationen, und aus meiner Sicht ist sicher ein Teil des Erfolges durch diese Haltung zu Stande gekommen.

Einladungen nur für den neuen Ottolenghi

Es sollte also ein Fest werden. Meine erste Ottolenghi-Rezension! Und damit das richtig zelebriert werden kann, habe ich auch gleich Freunde zum Essen eingeladen. Bei der ersten Durchsicht hatte ich mir ungefähr 28 Gerichte rausgesucht. Mein Sinn für Realismus hat mich dann aber doch auf überschaubare 3 Rezepte an einem Abend fokussieren lassen. Dabei habe ich mich allerdings nicht an die Menüempfehlungen im Buch gehalten, da im Winter einige Zutaten nicht ganz problemlos zu besorgen sind.

Zum Glück haben sich die Gerichte als weniger aufwendig erwiesen als angekündigt. Sie sind gut für Laien nachvollziehbar und keines hat mich vor eine unüberbrückbare Schwierigkeit gestellt. Leider fehlen bei den Rezepten Hinweise auf die Zubereitungsdauer, das hat mir hier und da die Auswahl erschwert. Ich ging also mit den drei Gerichten an den Start und ich nehme vorweg: die Gäste waren glücklich.

rezept-ottolenghi-scully-nopi-schokoladenganache-valentinasAber dann …

Ich aber war wider Erwarten nicht so begeistert wie erhofft. Zu viele unterschiedliche Geschmäcker und Zutaten bei den Gerichten. Mir war alles zu viel. Bei dem Lamm mit Joghurt habe ich aufgegeben. Ich wollte nur noch was Einfaches schmecken, Brot zum Beispiel. Meine Reaktion hat mich ehrlich gesagt stark verunsichert. Beim Vorgängerband Jerusalem war mein Eindruck uneingeschränkt begeistert.

Natürlich gab ich der Sache noch eine weitere Chance. Diesmal wurde eine Menüfolge gewählt, die bewusst nur ein Gericht aus Nopi enthielt und ansonsten schlicht daher kam. Und wieder wurde bei mir der gleiche Effekt ausgelöst. Der erste Bissen des Blauschimmelkäsekuchens mit Roter Bete war ein Fest. Ein Wow-Effekt. Gierig versuchte ich den zweiten Bissen in meinen Mund zu manövrieren. Gelungen. Aber es schmeckte nicht mehr so wie beim ersten Mal, es war mir zu viel. Ich mochte nicht mehr probieren. Nummer drei gab es dann noch, aber ich überredete mich dazu, wie ich meine Kinder bisweilen zu Gemüse überrede. Was war passiert?

Plüschige Aromenwelt

Die Küche von Yotam Ottolenghi kann man mit einem barocken Esszimmer vergleichen. Sie ist leidenschaftlich und eine Berufung. Sicher. Aber sie geht auch Wege, wo ich mit meinen einfachen Geschmacksvorstellungen nicht mehr folgen kann. Um bei dem Esszimmer zu bleiben: Die Einrichtung ist in Teilen wunderschön. Sie ist fein gearbeitet und hat ihre Preziosen. Allerdings ist sie auch immer überladen. Das Zimmer ist voll und an jede Wand kommt noch ein Bild. Das Bild für sich ist ebenfalls wunderschön und passt auch zu den anderen Gegenständen.

Aber es ist einfach zu viel und hätte nicht da hängen müssen. Es wäre nicht aufgefallen, wenn es fehlen würde. Mit den Rezepten ging es mir ähnlich. Warum immer dieser Koriander? Das gibt den Gerichten eine eindeutige Tendenz und dominiert zu Unrecht die anderen Geschmäcker. Die Autoren des Buches schreiben dabei, dass sie mit Gewürzen versuchen, den Eigengeschmack von Gemüse und Fleisch zu ergänzen, zu perfektionieren und schließlich auch zu harmonisieren. Hier gelingt das aus meiner Sicht interessanterweise nur beim ersten Probieren und hält nicht vor. Stattdessen wendet es sich für mich ins Gegenteil. Ein Eindruck, der auf einer Auswahl an Rezepten entstanden ist und vielleicht bei weiteren Versuchen noch völlig anders wird. Aber vielleicht ist dieser Eindruck auch Zeichen dafür, dass mit dem Nopi-Kochbuch eine Küche vorgestellt wird, die in ihrer Besonderheit nur im Restaurant funktioniert.

Nachdem Ottolenghi mehrere Bücher lang wusste seinen Stil zu wahren und die Begeisterung zu mehren, so schlägt er mit NOPI eine andere Richtung ein. Hier wird gehobene Chefkoch-Küche zelebriert, die nicht wegen des Aufwands für das Kochen zuhause nicht in Frage kommt, sondern weil die Aromenwelt der Gerichte so intensiv ist, dass eine normale Mahlzeit geradezu zu viel des Guten ist. Nein, eher ein Lesevergnügen, auch wenn die Enttäuschung auf hohem Niveau stattfindet. 

Nachgekochte Rezepte:

Burrata mit Blutorange, Koriander und Lavendelöl
Ein wunderbarer Übergang zum Hauptgericht. Leicht und fruchtig. Vor allem der Lavendel und der Käse ergänzen sich hervorragend. Die Koriandersamen passen aus meiner Sicht jedoch überhaupt nicht zur Konsistenz der anderen Zutaten.

Tomaten mit Wasabimascarpone und Pinienkernen
Das ist das perfekte Gericht für Gartenbesitzer. Wir haben permanent unterschiedlichste Sorten von Tomaten im Garten und der Estragon wuchert auf märkischem Sand besser als in seiner französischen Heimat. Die Kombination von Wasabimascarpone mit den süßlichen Tomaten hat geschmeckt und wird sicher noch häufig bei uns zu Gast sein.

Blauschimmelkäsekuchen mit eingelegter Roter Bete und Honig
Ein Küchlein hat bei uns locker für die doppelte Menge Roter Bete gereicht. Ich würde zu diesem Gericht allerdings höchstens einen Salat reichen. Mehr passt dann wirklich nicht mehr rein.

Geschrieben im März 2016