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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | August 28, 2016

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Kochbuch von Raquel Pelzel: KROSS! ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Raquel Pelzel: KROSS!
Rezension

KROSS! Knusprige Brote
köstlich belegt

Raquel Pelzel
Fotos Evan Sung
Edel Books (2016)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling - zum Schwärmen gut!

Katja Böttger Von

„The Trend Is Toast“, verkündete unlängst nicht nur „The New Yorker“ – und zuverlässig hüpft das Virus auf die Kochbuch-Zunft über, um auch in Buchform unsere Herzen zu erobern. Raquel Pelzel hat ein besonders schönes Exemplar vorgelegt – Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Ein besonders hartnäckiger Wiedergänger der Trendgastronomie ist zurück – das gute alte Toast. Von der legendären Zwischenmahlzeit am Kartentisch des Earl of Sandwich bis zum Toast Hawaii hat es schon viele denkwürdige Gesichter gezeigt, die allerdings nicht durchgängig zu den erfreulichen Erscheinungen zählen. Meine furchterregendste Begegnung hatte ich an Bord einer Air-France-Maschine: Zwei kalte, klamme Scheiben Weißbrot mit knorpeligem Fleisch dazwischen – wirklich nichts für Zartbesaitete.

Der neue Toast-Trend hat glücklicherweise herzlich wenig gemein irgendwelchen schlaffen Sandwiches „To-go“ oder merkwürdigen heimischen Kreationen aus dem Sandwich-Toaster. Statt wabbeliger Weißbrotquadrate gibt es jetzt geröstetes, rustikales Landbrot, köstlich belegt. Aber dazu später.

Ein feines Büchlein

Zunächst zum Buch: Klein, aber fein ist sein Auftritt. Übersichtliche fünfzig Rezepte gibt’s zu entdecken, darunter einige Gastbeiträge namhafter Chefköche wie Deb Perlemann. Sortiert sind die Rezepte saisonal von Herbst bis Sommer (ja, in dieser Reihenfolge!), jedes auf einer Doppelseite – Text hier, Foto dort.

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Die Fotos sind sehr geschmackvoll, stilistisch ganz auf der Höhe der Zeit: Die Brotscheiben angerichtet auf rustikalem Holz oder schlichtem Porzellan, lässig inszeniert mit ein paar Krümeln und Klecksen hier und da. Genauso will ich es auch auf unserem Abendbrottisch sehen: Die Scheiben frisch dampfend aus dem Ofen geholt, auf ein Holzbrett umgebettet und in die Mitte gestellt, fertig.

Aber die Auswahl… oh je, ich will ALLES! In der Vorauswahl scheitern lediglich ein paar Erdbeer- und Spargelkandidaten (saisonbedingt) und das „Thanksgiving Toast“ (mangels Truthahnbraten), ansonsten kann ich aus dem Vollen schöpfen. Jetzt zum Frühjahr erwarten uns Röstbrot mit Bärlauchpesto, Burrata und Kirschpaprika sowie Holzofenbrot mit Parmesanbutter, Spiegelei und Spargel.

Internationale Küche trifft Brot

Die Rezepte sind querbeet von internationalen Einflüssen geprägt, besonders sichtbar sind die britisch-amerikanischen und italienischen Akzente. Die Zutatenlisten sind ebenso international gemischt, aber dennoch bodenständig; exklusive Feinkostraritäten muss ich nicht erjagen.

Schnell sind die Hinweise über Brotqualitäten, Rösttechniken, Lagerung überflogen – glücklicherweise macht Frau Pelzel keine Wissenschaft davon – und los geht’s. Grundlage ist ein kräftiges, rustikales Brot von guter Qualität, dick geschnitten und geröstet mit etwas Öl oder Butter und etwas grobes Salz. Der übliche Toaster ist hier keine große Hilfe, besser geht es mit dem Ofen auf Grillstufe. Darauf kommt dann ein Topping, das es in sich hat: Von Birne mit Parmesan und Balsamico bis Blumenkohl mit Cheddar-Bier-Sauce sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Auch wenn es „nur“ um belegte Brote geht, kommt doch das Kochen nicht ganz zu kurz. Messer, Schneidebrett, Pfanne, Ofen und Pürierstab kommen fast bei jedem Rezept zum Einsatz, auch wenn die Zubereitung weder schwierig noch langwierig ist.

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Ein „Little Twist auf Toast“ gefällig?

So viele tolle kleine Brote, schnell gemacht und dennoch effektvoll! Vieles kommt mir bekannt vor, wenn auch bisher nicht als Brotauflage. Und endlich geht mir ein Licht auf: Raquel Pelzel (links) nimmt sich das, was ein Rezept ausmacht, das Besondere, den berühmten „little twist“, die interessante Kombination von drei, vier Zutaten, Gewürzen und Kräutern, und bringt diese aufs Brot.

Diesen roten Faden nehme ich gerne auf und spinne ihn weiter. Aber vorher tauche ich noch tiefer in dieses tolle Büchlein ein – wer weiß, vielleicht ist es mein erstes Kochbuch, bei dem ich irgendwann alle Rezepte ausprobiert habe?

Toast, was heißt hier Toast? Diese köstlichen Brote eignen sich als flink veredelte Alltags-Mahlzeit ebenso wie als edel-rustikaler Snack für liebe Gäste. Es gibt Raffiniertes und Witziges zu entdecken, jedes Rezept mit klarer Handschrift, dazu viel Inspiration für Eigenkreationen. Und viel, viel knuspriges Mhmm …

Nachgekochte Rezepte:

Macadamia-Kardamom-Butter
Als Einstieg eines der wenigen süßen Rezepte: Eine schlichte Creme aus Macadamia-Nüssen und weißer Schokolade, exotisch veredelt mit Kardamom. Ein Herzensbrecher.

Früchtebrot mit Birnen, Feigen-Sesam-Konfitüre und Balsamicocreme
Süß geröstete Birnenscheiben mit gehobeltem Parmesan darüber. Köstliches Detail darunter: Gerösteter Sesam in Feigenkonfitüre. Den Balsamico hätte ich allerdings eher nicht vermisst.

Toast mit Zitronengras-Kiwi und Honigcreme
Eine frische Kombination, ein richtiger Kick-off in den Tag.

Früchtebrot mit Chèvre und Karamellwalnüssen
Klingt klebriger und süßer als es ist: Die Frische der Anissaat im Sirup und der leicht strenge Ziegenfrischkäse machen das Brot zu einer geschmacklich erstaunlich runden Sache. Vorsicht: Sirup nur leicht erhitzen, sonst wird er mit dem Abkühlen zu hart.

Bauernbrot-Toast mit Avocado-Fattoush
Eine Variante des Salatklassikers aus Nahost, das geröstete Brot drunter statt drinnen. Avocado gibt Milde, Radieschen Schärfe. Interessant.

Toast mit Aubergine, Paprika und Kapern
Ein Gastrezept von Andrew Feinberg, Eigentümer und Chefkoch des „Franny’s“ in Brooklyn: Auberginen-Sardellen-Creme mit gebratener Paprika und Kapern, reichlich Knoblauch und Essig – da wollen sich viele vorlaute Stimmen gleichzeitig Gehör verschaffen… Ein intensives Geschmackserlebnis, eher in kleiner Dosierung ein Genuss.

Geschrieben im Februar 2016