Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | September 28, 2016

Nach oben scrollen

Top

Kochbuch von Nora Frisch & Ming Dittel: Suppen aus China ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Nora Frisch & Ming Dittel: Suppen aus China
Rezension

Suppen aus China – Vegane
Rezepte für den Alltag
Nora Frisch & Ming Dittel
Fotos Jürgen Bubeck
Drachenhaus Verlag (2015)

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sabine Cikic Von

Wem wurde nicht schon als Kind Hühnersuppe als Allheilmittel gegen jedwede Erkältungskrankheit eingeflößt? Suppen aus China lehrt uns nun, dass auch veganen Suppen beinahe Zauberkräfte innewohnen und sie nicht nur ob ihrer wärmenden, sondern auch kühlenden Eigenschaften zu Gesundheit erhaltendem Wohlbefinden beitragen können.

Das kleine feine Buch aus dem Drachenhaus-Verlag führt übersichtlich in das Thema der 5-Elemente-Ernährung ein, wie sie nach chinesischer Vorstellung für ein harmonisches Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper sorgt, wenn man sie denn richtig anwendet. Viele Krankheiten seien auf ein Ungleichgewicht zurückzuführen, dass man durch die richtige Wahl und Zusammenstellung der Nahrung positiv beeinflussen könne.

Jedem einzelnen Lebensmittel werden wärmende oder kühlende Eigenschaften zugeschrieben. Das ist nicht nur relevant, wenn man im Winter durchgefroren ist und sich von innen „aufheizen“ möchte. Auch Emotionen wie Wut, Stress oder Trauer beispielsweise können nach chinesischem Verständnis den Körper erhitzen oder abkühlen und die Wahl der richtigen Lebensmittel kann hier ebenfalls heilende Wirkung entfalten. Gekochte Nahrung gilt in der chinesischen Medizin generell als leichter verdaulich, da sie vom Körper nicht erst wie ungekochte Nahrung energieraubend erhitzt werden muss. Aber auch eine heiß gegessene Suppe kann eine kühlende Wirkung haben, was ein gewünschter oder ungewollter Effekt sein kann, je nach aktueller persönlicher Konstitution.

kochbuch-suppen-inside-3

Die Theorie zuerst

Komplex wird es, wenn man sich im nächsten Schritt näher mit den 5 Elementen vertraut macht. In der chinesischen Heilslehre werden den Elementen Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz jeweils 5 Geschmäcker zugeordnet, für die wiederum einige Lebensmittel prototypisch genannt werden können. Ein Beispiel: Dem Element Erde wird die Geschmacksrichtung süß zugeordnet. Der Körper soll durch Lebensmittel dieser Gruppe „befeuchtet“ werden, die zugeführte Energie wird in alle Richtungen verteilt. Vertreter dieser Gruppe sind z.B. Kartoffeln und Möhren.

Nach der leicht verdaulichen Theorie geht es auch schon los mit den Rezepten, die allesamt sehr ansprechend fotografiert sind. Hier fällt mir auf, wie unterschiedlich die Suppen aussehen, von Schema F keine Spur. Nach einem Grundrezept für Chilipaste und einem „Basisrezept für Gemüsebrühe“ folgen 20 Suppenrezepte. Sie sind nach der 5-Elemente-Lehre auf die Elemente verteilt, wobei man innerhalb eines Elementes immer 2 Rezepte mit kühlender und 2 Rezepte mit wärmender Wirkung findet.

Gemäß der Lehre von der 5-Elemente-Ernährung sollte jedes Rezept tatsächlich aus allen 5 Geschmäckern (= 5 Elementen) zusammengestellt sein. Harmonisch ist ein Rezept also dann, wenn es Vertreter der Geschmacksrichtungen sauer – bitter – süß – scharf – salzig vereint; kühlende oder wärmende Wirkung hat das Gericht dann je nach den gewählten Zutaten aus der jeweiligen Elementegruppe. Mir gefällt, dass es die Autorinnen dabei belassen. In anderen Büchern wird dann sogar festgelegt, in welcher Reihenfolge die Lebensmittel in den Topf wandern müssen…

Insgesamt klingt das alles erst einmal unglaublich kompliziert, ist es aber dank der guten Strukturierung im Buch gar nicht. Und mir persönlich hat es gereicht, die wohltuende Wirkung der Suppen zu erfahren, auch ohne dann anschließend genau zu analysieren, warum und wie jetzt die zubereiteten Lebensmittel diese und jene Wirkung entfaltet haben.

Erlaubt ist, was schmeckt.

Zunächst wird die Brühe vorgekocht (praktischerweise gibt die Autorin gleich eine Menge an, die für mehrere Suppen reicht, so dass man wirklich viel Zeit sparen kann, wenn man die Brühe bspw. im Tiefkühler vorrätig hat) und auch die Chilipaste zubereitet (hier empfehle ich unbedingt, nur die halbe Menge zuzubereiten, da das auch schon ein ordentliches Glas ergibt und man die Paste ja nur sparsam einsetzt). Intuitiv wendete ich mich bei der Auswahl der Rezepte den herbst- und winterlicheren zu. In vielen Suppen werden Zutaten verwendet, die ich zunächst gar nicht mit der chinesischen Küche assoziieren würde, bspw. frischer Salbei oder getrockneter Estragon. Hier scheine ich entweder noch viel über die chinesische Küche und die verwendeten Zutaten lernen zu müssen, oder, und diese Idee gefällt mir auch sehr gut, die Autorin hat für die chinesische Küche eher untypische Lebensmittel dennoch nach der 5-Elemente-Lehre für die Entwicklung ihrer Rezepte verwendet, frei nach dem Motto: erlaubt ist, was schmeckt!

Bei wirklich jedem nachgekochten Rezept kamen wir ins Staunen. Geschmacklich waren die Suppen durchaus oft ungewohnt, aber so lecker, dass wir immer wieder sagten: ja, das wollen wir wieder essen. Und das wohlige Gefühl „danach“ ist auch ganz schwer zu beschreiben. Nicht einfach gesättigt, sondern genährt, und ja, auch gewärmt. Dass die Suppen dabei auch noch allesamt vegan sind, ist selbst den Gästen gar nicht aufgefallen. Ich freue mich schon jetzt darauf, auch die kühlenden Suppen auszuprobieren, spätestens im Frühjahr/Sommer natürlich, oder vielleicht muss ich mich einfach mal an dieses Kochbuch erinnern, wenn ich mich das nächste Mal so richtig ärgere…

Einkauf hängt ab vom Vorratsschrank

Einzig die langen Zutatenlisten bzw. vielen verschiedenen Zutaten, die zum Einsatz kommen, dürften nicht jedermanns Sache sein. Neben zahlreichen chinesischen Basiszutaten wie dunklem Essig, Sesamöl, Sojasaucen und -pasten, kommen unzählige Gewürze, Kräuter frisch und getrocknet, verschiedene Tofusorten, Nüsse und Hülsenfrüchte sowie natürlich frische Gemüse zum Einsatz. Je nach Vorratshaltung kann das schon eine ziemlich umfangreiche Einkaufsliste ergeben und man sollte die Planung nicht unterschätzen. Umgekehrt gilt wiederum: ist die Vorratskammer gut bestückt, und auch die Basisbrühe und Chilipaste vorhanden, kann es oft auch ganz flott gehen.

Ein schönes Wohlfühl-Kochbuch ganz ohne erhobenen Finger mit sehr spannenden Rezepten, die kulinarisch einige Überraschungen bieten. So macht „Essen, um zu leben“ Spaß, und ganz nebenbei erfährt man noch die Grundlagen der chinesischen 5-Elemente-Ernährung.

Nachgekochte Rezepte:

Spätsommerliche Vollmondnacht – Wärmende Suppe aus Wurzelgemüse und Esskastanien
Kastanien und Walnüsse harmonisch vereint mit Apfel, Möhre, Süßkartoffel, Orange, Fenchel, zahlreichen Gewürzen und Kräutern (Salbei!) sowie Zitronengras und Chili. Fusion at its best!

Sonnenuntergang am weißen Fluss – Lauwarme Rote-Bete-Suppe mit Pinienkernen
Eine schnelle Suppe, für die vorgekochte Rote Bete zum Einsatz kommt. Auch hier ist wieder alles dabei: Getreide (Buchweizenschrot), Limettensäure, Pinienkerne, Rucola und Ingwer, Gewürze wie Sternanis und Zimt. Da bleibt garantiert nichts übrig!

Geschrieben im März 2016