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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | December 3, 2016

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Kochbuch von Meera Sodha: Original Indisch ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Meera Sodha: Original Indisch
Rezension

Original Indisch – Über
130 Familienrezepte
Meera Sodha
Fotos David Loftus
Dorling Kindersley (2015)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Kathrin Sebastian Von

Eine junge Britin, mit indischen Wurzeln und Charme erwartet uns mit den Rezepten ihrer Familie in dieser Neuerscheinung. Ich bin gespannt, was ihre Küche auszeichnet: eine Feuer an Aromen, aber wilde Gewürzeinkauforgien? Oder praktikable Rezepte, die es sogar auf meine Tafel am Feierabend schaffen?

„Original Indisch“ ist ein schönes Buch – hochwertig gestaltet, gebunden und in leuchtenden Farben – so wie Indien aus der Ferne wirkt. Nahezu alle Gerichte sind großartig bebildert von David Loftus, die Rezeptfotos erscheinen klar, frisch und unkompliziert. Meera Sodha bietet ihren Lesern 130 Rezepte von Vorspeisen über Gemüse und Fleisch bis Brot, Chutneys und Drinks.

Im Vorwort beschreibt Meera Sodha (unten), dass ihre Familie aus dem nördlichen Westen Indiens stammt, aus dem Bundesstaat Gujarat, und wie sie nach Großbritannien kam. In der indischen Heimatregion der Familie wird besonders eine variantenreiche und würzig-vegetarische Küche zubereitet, die ich auch in den Rezepten wiederentdeckte, aber es ist keinesfalls ein vegetarisches Kochbuch.

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Meer und ihre Familie

Meera selbst hat niemals in Indien gelebt, sie ist in Großbritannien aufgewachsen und beheimatet, daher auch im Untertitel der Verweis auf die Familie. Die Rezepte stammen aus den Rezeptbüchern ihrer Mutter und Großmutter und sind – was die Zubereitung und die Auswahl der Zutaten betrifft – an europäische (britische) Verhältnisse angepasst – ohne dabei ihren typischen Geschmack aufzugeben. Die Gewürzlisten konzentrieren sich meist auf Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Cayenne, Chili, Garam Masala und Senfsamen – wer diese Zutaten zuhause hat, kommt hier sehr weit. Praktisch.

Einige der Familien-Rezepte wurden für das Buch erstmals verschriftlicht, schreibt die junge Autorin stolz. Das Stichwort Familie zieht sich dabei durch das gesamte Buch: alte Fotoaufnahmen und Anekdoten begleiten die Rezepte. Ich habe sie irgendwann eher überlesen, weil das Kulinarische hier weniger im Vordergrund steht. Aber vielleicht ist das auch der Altersunterschied oder mein Interesse am Kulinarischen.

Was mir an dem Kochbuch ausgezeichnet gefällt ist die konzeptionelle Gestaltung des Nebensächlichen wie zum Beispiel das „alternative Inhaltsverzeichnis“, wo Rezepte für besondere Anlässe auflistet sind, z.B. Essen für Kinder, vegane Speisen, Party Food usw. Besonders sympathisch ist die Idee, Rezepte vorzustellen, die direkt nach der Zubereitung in den Gefrierschrank können, um später Koch-Zeit zu sparen. Sehr alltagstauglich und vorausschauend gedacht. Das sollten alle Kochbücher übernehmen.

Unter dem Stichwort „Selber machen“ gibt die Autorin Hinweise zum Herstellen von Paneer (deutsch: Panir, eine Art Frischkäse, vergleichbar vielleicht mit italienischem Ricotta), Ghee (geklärte Butter) oder Masala-Würzmischungen. Eine weitere gute Anregung sind die Vorschläge, wie mit möglichen Resten sinnvoll zu verfahren ist unter dem Titel „Was tun mit“: z.B mit der angebrochene Dose Kokosmilch? Ab in den Dal.

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Vorbildliche konzeptionelle Details

Eine Doppelseite interessanter Menüvorschläge, eine dreiseitige Weinempfehlung und eine kurze Anleitung zum Essen mit der Hand (natürlich rechts) sind informativ und tragen somit dem Umstand Rechnung, dass Menschen in Europa hier und da ein bisschen Nachhilfe in Sachen indischer Küche benötigen könnten.

Abgerundet wird das Buch mit einer Hilfestellung bei Kochproblemen („Nicht genug Sauce!“) sowie einigen informativen und bebilderten Seiten rund um die vielfach nicht so geläufigen Gewürze und Zutaten. Der Index ist so gestaltet, dass hier jeweils auch nach den Hauptzutaten gesucht werden kann, sehr hilfreich und sinnvoll. Wer sich also „systematisch“ an das Buch heranarbeiten möchte, wird kaum etwas finden, was wirklich „fehlt“. Bravo!

Keine Explosionen, aber Zufriedenheit

Die für ein indisches Kochbuch überraschend übersichtlichen Zutatenlisten beeinflussten meine Auswahl der Rezepte. Der Autorin ist es gelungen, eine große Anzahl gerade solcher Gerichte aus den alten Familienkochbüchern zu extrahieren. Mein Gedanke es daher, hier der Idee entsprechende Rezepte auszuwählen, die gut nach Feierabend zubereitet werden können und geschmacklich überzeugen.

Der Auftakt war ein Donnerstagabend: Zum pikanten Frühkohl (ich habe Weißkohl verwendet) gab es Knoblauchhähnchen mit Chaat und Zimt-Nelken-Pilau mit Cashews. Das Mahl war einfach zuzubereiten und schmeckte fein. Zwar war ich etwas enttäuscht, erwartete ich doch eine gewisse indische Explosion von Aromen nach dem ersten Bissen, aber mit jedem Gericht wurde dann deutlicher: das ist der Preis für unkomplizierte Gerichte, die wirklich jeden am Tisch zufrieden machen, aber nicht die tiefe indische Exotik präsentieren. Auf der anderen Seite – es gibt zweifellos auch so genug zu entdecken, wie z.B. den Chili-Panir oder das Hähnchen-Curry mit Koriander-Chutney. Als LeserIn muss man sich sozusagen entscheiden.

Meera Sodhas Original Indisch verlockt mit einer wunderbar praktikablen indischen Küche, die auch keinen Gewürzschrank so schnell überfordern sollte. Das hat zwar seinen Preis im Hinblick auf die aromatische Exotik, aber dafür bleiben die Rezepte auch im Alltag machbar. Perfekt für Anfänger und Pragmatiker. (Fortgeschrittene sollten eher in andere Windrichtungen blicken.) Die begleitende Familiengeschichte der Autorin ist hübsch im leichten Small-Talk erzählt, das Buch reich bebildert. Was beeindruckt ist hier das konzeptionelle Nebensächliche vom alternativen Inhaltsverzeichnis bis Hilfe in Sachen Überbleibsel. Top.

Nachgekochte Rezepte:

Chaat-Salt
Sehr interessante Marinade und erfrischend feiner Begleiter für jedes Gericht: Senfsamen werden in Öl angeröstet, dann kommen Kichererbsen dazu, alles wird gewürzt und mit Zitronsaft abgelöscht. Dazu kommt salattypisches Gemüse, Granatapfel und Koriander – sehr fein. Und hübsch.

Pikanter Frühkohl
Der Hinweis, dass das Rezept leicht zuzubereiten ist, war ein guter Einstieg. Die Zutaten fanden sich allesamt bei uns zu Hause und so war die erste Hürde denn auch schnell genommen. Witzig (und für mich neu) war die Idee, die Senfsamen in Öl anzubraten, damit sie etwas aufpoppen, aber mehr als ein knuspriges Mundgefühl haben die Senfsamen nicht gebracht. Geschmacklich war der Kohl in Ordnung, aber nicht herausragend. Individuelles Nachwürzen hat etwas mehr Geschmack an das Rezept gebracht, und besser so als anders herum. Wenn es zu stark gewürzt ist, dass es kaum mehr nach den Grundzutaten schmeckt, finde ich das auch bedauerlich.

Knoblauchhähnchen mit Chaat
Eine einfache Zubereitung mit wenig Aufwand aber leckerem Ergebnis, aber besser am nächsten Tag keine Termine mit Menschen machen, denn die Knoblauchmenge ist wirklich nicht geizig bemessen. Die Salatzutaten lesen sich zunächst wie gewohnt (Gurken, Tomaten, Zwiebeln) und dennoch hat der Salat das „gewisse Etwas“ durch die Zugabe von einer guten Menge Koriander, Masala, grünen Chilis und einem Spritzer Limonensaft. Das passte sehr gut zusammen.

Zimt-Nelken-Pilau mit Cashews
Wir wollten gerne ein interessantes Reisrezept zum Huhn ausprobieren. Der indische Vater unserer Freundin kocht ihn so ähnlich und das ist immer wieder ein Gedicht. Der Reis schmeckt durch das Anbraten in Butter und Gewürzen (Zimt und Nelken) leicht buttrig und durch die Zugabe von Cashewnüssen kurz vor dem Servieren wird er zusätzlich noch ein bisschen crunchy. Dieses Rezept überzeugt einmal mehr durch die einfache Zubereitung, man könnte auch sagen „gewusst wie“, denn die Mehrarbeit ist minimal.

Masala Omelett
Eigentlich handelt es sich ja „nur“ um eine einfache Eierspeise, aber sie wartet mit vielen ungewöhnlichen Gewürzen und viel Pep auf. Chili, Koriander, Kreuzkümmel und Frühlingszwiebeln geben dem Omelette einen ungewöhnlich frischen Geschmack. Und was auch hier wieder fasziniert: nur ein ganz wenig mehr Vorbereitung führt dennoch zu einem so guten Ergebnis. Kleiner Tipp: So ein Omelette kann auch gut kalt gegessen und mit zur Arbeit genommen werden. Ein schönes Basisrezept.

Fudge/ Coconut-milk Fudge
Ganz wichtig: Den Hinweis mit dem möglichen Anbrennen darf man wirklich gerne glauben, bloß nicht hochnäsig sein, denn das anschließende Sauberkratzen des Topfes war wirklich sehr mühsam… Das Fudge ist durch die Zugabe der Kokosflocken etwas fester als gewohnt, es erinnert mich mehr an die Konsistenz von „Kraft- oder Müslikugeln“ als an klassisches Fudge. Durch den Kardamom kommt eine außergewöhnliche Gewürznote dazu, und statt der gerollten Bällchen wurden bei uns kleine Vierecke geschnitten und zu ungesüßtem Tee gereicht. Obwohl keine Extra-Portion Zucker zum Rezept dazu kommt, reicht die Süße der gezuckerten Kondensmilch vollauf aus, um sich spontan ziemlich „satt“ zu fühlen.

Geschrieben im Februar 2016