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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | May 27, 2016

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Kochbuch von Leo & Karl Wrenkh: Vom Glück gemeinsam zu essen ★ ★ ★

Kochbuch von Leo & Karl Wrenkh: Vom Glück gemeinsam zu essen
Rezension

Vom Glück gemeinsam zu essen –
Aufgetischt für jeden Ernährungsstil
Leo & Karl Wrenkh
Fotos Susanne Spiel
Brandstätter Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

DREI STERNE: Hat Stärken, aber überzeugte nicht ganz.

Christiane Schwert Von

Dieses Buch hat eine Idee. Es ist die Idee der entspannten Gastgeber. Tatsächlich ist ein Essen in größerer Runde für die Einladenden ja meist ziemlich anstrengend. Während man versucht locker zu plaudern, wünscht man sich doch eigentlich, endlich allein zu sein, um in Ruhe alles vorbereiten zu können. So ist es jedenfalls bei mir.

Den Brüdern Wrenkh, den Autoren dieses Buches, wurde die Gastronomie in die Wiege gelegt. Ihr Vater hat 1982 das erste vegetarische Restaurant Wiens eröffnet. Und nach Stationen im Ausland sind die Zwei in seine Fußstapfen getreten und betreiben in Wien ein Restaurant und eine Kochschule. Ihr erstes Buch folgt einem einfachen Grundgedanken. Nämlich wie schön es ist, in gemütlicher Runde entspannt gutes Essen zu genießen. In der Realität flitzt die Gastgeberin nämlich meist den ganzen Abend zwischen Herd und Tisch hin und her, und versucht dabei eine gute Figur zu machen. Doch eigentlich sollte sie gelöst bei ihren Gästen sitzen.

Eine appetitanregende Melange

Die Lösung: eine wohldurchdachte Vorbereitung und der Aufbruch der klassischen Menüfolge. Die Autoren schlagen vor, alle Speisen gemeinsam auf den Tisch zu bringen. Außerdem für jeden etwas zu kochen, also Gerichte für Fleischesser, Veganer, Vegetarier und Laktoseintolerante. Eine tolle Idee!

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Doch lässt sie sich in die Praxis umsetzen? Die Autoren (links) versammeln 14 thematische Tische, mit drei bis sechs Gerichten: Frühling, Sommer, Pissaladière, Kuba, Picknick, Israel, Sri Lanka, Soba, Herbst, Bretagne, Hot Pot, Irish Breakfast, Winter und Sonntag. Das liest sich vielleicht ein bisschen konfus, ist aber eine Mischung, die mich sofort angesprochen hat. Auch die Rezepte sind nach einem ersten Durchblättern durchaus appetitlich. Überhaupt ist das Buch wertig gemacht, das Format kompakt, die Foodfotografie bodenständig. Auch die beliebten Lesebändchen fehlen, typisch Brandstätter-Verlag, nicht.

Eingeleitet wird jeder Tisch mit einer stichpunktartigen To-Do-Schrittfolge, die durchaus sinnvoll ist, wenn man alle Speisen zeitgleich auf den Tisch bringen will. Ich habe es aber irgendwie gar nicht benötigt. Und ich befürchte für diejenigen, die es brauchen könnten, ist es vielleicht ein wenig knapp geraten.

In der Praxis: Statt Frühstück – Lunch

Nach einer langen Samstagnacht starte ich den Sonntag mit dem Tisch Irish Breakfast. Doch leider wird aus dem Breakfast dann eher ein Lunch, weil das Backen der Muffins doch ein bisschen dauert. Schließlich brate ich Bacon und Würstchen, außerdem Gemüse (Champignons, Zucchini, Tomaten) und, das steht zwar nicht im Rezept, es gibt noch ein Spiegelei für jeden. Die baked beans, Asche auf mein Haupt, kommen aus dem Glas. Ich hatte vergessen, die Bohnen am Abend vorher einzuweichen… Alles in allem ein köstliches Frühstück! Wenn der Tisch hier auch mehr Ideen- als Rezeptgeber ist. Einzig die Schokomuffins verlangen nach Anleitung. Und hier wundere ich mich, denn angegeben wird eine Zubereitungszeit von zwei Stunden und das bei einer Backzeit von 35 Minuten. Erstaunlich auch die Sckokoladenmenge: 200g für 8 Muffins war mir deutlich zu viel. Und die kalte Butter für den Rührteig hat sich nur schlecht mit der ohnehin recht flüssigen Masse verbunden.

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Für einen Abend mit Freundinnen wähle ich Rezepte des Tischs Pissaladière. Leider ist die Pfirsich-Zeit vorbei und wir kommen nicht in den Genuss der Crémant-Bowle, die sich sehr lecker anhört. Also Crémant pur und drei Varianten Pissaladière. Der Grundteig ist, wie alle Rezepte, prägnant angeleitet und schnell zubereitet und ähnelt Pizzateig. Doch hier bilden gedünstete mit Weißwein abgelöschte Zwiebeln die Grundlage. Das hört sich unspektakulär an, ist aber tatsächlich köstlich. Besonders die Pissaladière mit Artischocken und Rohschinken ist ein Hit. Doch: Entspannt geht anders. Da die einzelnen Böden nur einen Durchmesser von 15x20cm haben, isst jeder mindestens eine. Ich war also ordentlich mit Ausrollen, Belegen und Backen beschäftigt.

Auch kulinarisch nicht ganz rund

Ein Abend im größeren Familienkreis soll mit Tisch Israel beginnen: Es gibt Baba Ghanoush, Ful-Püree und Falafel. Auf den angegebenen Hummus (und Hackfleisch-Spieße) verzichte ich aber, denn sonst hätte man drei Gerichte mit sehr ähnlicher Konsistenz. Mir fehlt hier etwas Frisches/Knackiges, ich mache Salat aus Tomaten, Gurken, roten Zwiebeln und Minze dazu. Dieser Tisch ist, wie auch andere in der Gesamtkomposition nicht ganz rund.

Auch habe ich die Berechnungsgrundlage der einzelnen Tische nicht immer ganz nachvollziehen können. Die Mengenangaben der Rezepte beziehen sich oft auf eine Portion. Habe ich fünf Gäste und ein Tisch besteht aus fünf Rezepten koche ich dann von jedem Rezept eine Portion? Bei den Wirsing-Shiitake-Bandnudeln habe ich für zwei Personen alles verdoppelt, hatte aber am Ende einen Riesenberg Gemüse und im Vergleich dazu nur wenige Bandnudeln.

„Vom Glück gemeinsam zu Essen“ ist ein Kochbuch mit einer schönen Grundidee. Doch ganz ohne Stress kommt die Gastgeberin auch hier nicht durch den Abend. Denn das Konzept geht leider nicht komplett auf, wie mir der Tisch Pissaladière gezeigt hat. Und die meisten von uns, werden auch die als Nachtisch gedachte Süßspeise gewiss nicht gleich mit auf den Tisch stellen, zumal wenn es sich bspw. um Dattel-Joghurt-Eis (S. 95) oder warme Sckokoladentörtchen (S. 197) handelt. Aber der Gedanke an sich, dass man versuchen sollte, alles auf einmal auf den Tisch zu stellen, nehme ich mit in meinen Kochalltag.

Nachgekochte Rezepte:

Pissaladière mit Tomaten und Anchovis
Hier ist die Besonderheit, dass man zwar als Grundmasse, statt Tomatensauce, wieder Zwiebeln andünstet, die mit Weißwein ablöscht (bitte unbedingt Weißwein nehmen und kein Wasser, wie als Alternative vorgeschlagen), aber den Sud auffängt und in den Teig knetet! Das sorgt für zusätzliches Aroma.

Pissaladière mit Oliven und Mozzarella
Auch lecker, aber mit 150 g waren mir das eindeutig zu viele Oliven und der Geschmack etwas zu intensiv.

Baba Ghanoush
Da kann man nichts falsch machen, wenn man Auberginen mag: Im Ofen mit Schale garen, Knoblauch und Öl, Salz und Pfeffer dazu. Fertig!

Falafel
Die sind wirklich gut geglückt. Seit sich einmal die Klößchen im heißen Fett aufgelöst haben, habe ich mich nicht mehr recht ran getraut. Die hier sind aber gelungen. Wenn auch die Angabe alles grob zu pürieren, nicht so leicht umzusetzen war, da es sich ja doch zunächst um eine recht trockene Masse handelt.

Gebratenes Gemüse
Gebraten und wie beschrieben mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Baked Beans
Asche auf mein Haupt: nicht selbstgemacht, sondern aus dem Glas.

Würstchen, Schinken, Speck
Kross gebraten, ganz ohne Rezept :-)!

Muffins
Sie schmeckten nicht schlecht, wenn sie von der Konsistenz auch etwas lockerer hätten sein dürfen. Auch fand ich die Schokoladenmenge mit 200g für 8 Muffins recht großzügig bemessen. Und das man kalte Butter für einen Rührteig nimmt, hat mich auch gewundert.

Wirsing-Shiitake-Bandnudeln
Mein Gott, was für eine Portion. Das Gemüse war ein Riesenberg und stand in keiner Relation zu den Nudeln. Geschmeckt hat aber die Kombination von Wirsing, Shiitake, Lauch, Karotte, Weißwein, Sahne und Muskat. Ein nährendes Wintergericht!

Geschrieben im Januar 2016