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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | February 25, 2017

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Kochbuch von Kerstin Rodgers: V is for Vegan ★ ★ ★

Kochbuch von Kerstin Rodgers: V is for Vegan
Rezension

V is for vegan
Kerstin Rodgers
Fotos Jan Baldwin
Quadrille Publishing (2015)

DREI STERNE: Hat Stärken, aber überzeugte nicht ganz.

Sabine Cikic Von

In V is for Vegan präsentiert Kerstin Rodgers, aka Ms MarmiteLover, Rezepte für beinahe jede Lebenslage, die vor keiner unbekannten Zutat oder Länderküche haltmachen. Positiv betrachtet ein Kaleidoskop an Möglichkeiten, aber doch auch ein kunterbuntes Sammelsurium, das manchmal an Struktur vermissen lässt.

Wie bunt und abwechslungsreich die vegane Küche sein kann, lernen wir bei Kerstin Rodgers aus einem ganz neuen, sehr weiten Blickwinkel. In ihrem dritten Kochbuch vereint sie eine enorme Bandbreite von Rezepten. Von simplen Scratch-Anleitungen z.B. für Rosmarin-Salz über einfache Dips, Pasten und andere Basics (Hummus, Guacamole, Gemüsebrühe, Dashi, Salzzitronen usw.) hin zu Schwiegereltern-Beeindruckern wie das Mosaic of Beetroot & Radish with Horseradish Dressing oder die Spectacular Stuffed Russian Cabbage Rose (vorausgesetzt die Schwiegereltern sind entsprechend weltoffen und an neuartigen Geschmackserlebnissen interessiert).

Eiscreme zum Frühstück

Standardvorräte werden dabei bei Rodgers genauso gehandelt wie Zutaten, von denen die meisten von uns noch nie gehört haben dürften oder die zumindest hierzulande eher schwer aufzutreiben sind (bspw. Bengali lime, brasilianisches tempero salt, day lilies, mustard greens, yuzu paste oder calçots).

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Die Rezepte sind nach einer kurzen Einführung zu Ideologie und Varianten des Vegetarier- und Veganertums in die Kapitel Snacks, Breakfast, Lunch, Dinner und Dessert einsortiert. Ein Index fehlt natürlich nicht. Beim Heraussuchen von Rezepten für meine Rezension fallen mir die ersten (kulturellen) Unterschiede auf.

Eiscreme zum Frühstück (im Cashew Nut, Banana & Apricot Smoothie) oder Light-as-Air Crumpets (das angegebene Rezept reicht für 16 Stück!), Dried Pineapple Flowers oder Fruit Leathers als Snack, Lunch-Rezepte, deren Zubereitung locker 1 Stunde Zeit oder sogar länger in Anspruch nehmen dürften (Angaben dazu gibt es bei den Rezepten nicht). Das ist alles nicht so meins. Ich koche die Lunch-Suppe als leichtes Abendessen und finde überhaupt, dass sich die meisten Rezepte prima für Unter-der-Woche-Dinner eignen, wenn es mal ein bisschen länger dauern darf.

Begabte Schreiberin

Die Autorin selbst ist der lebende Beweis, dass man nicht vom Knochen fallen muss, wenn man auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet. Ich meine das gar nicht abwertend. Ich finde, man sieht, dass sie ihr „Ding“ gefunden hat. Als Begründerin der Londoner Supper-Club-Szene und seit über 35 Jahren überzeugte Vegetarierin, hat sie sich eine Menge Know-how erkocht und Rezepte erkundet. So wundert es mich eigentlich auch gar nicht, dass die nachgekochten Rezepte allesamt wirklich lecker waren.

Kerstin Rodgers ist darüber hinaus eine begabte Schreiberin (ihr Food Blog MsMarmiteLover wurde 2013 von der renommierten britischen Guild of Food Writers als bester Food Blog des Jahres ausgezeichnet, und das blieb nicht der letzter Preis, den sie einheimsen konnte). So hat es mich auch nicht weiter gestört, dass längst nicht zu jedem Rezept ein Foto vorhanden ist.

Viele Anleitungen kommen ganz ohne Bebilderung aus, wie z.B. eine Kokosnuss geöffnet, Nussbutter und –milch zubereitet, Obst und Gemüse eingelegt oder fermentiert wird. Leider auch ganz ohne Bebilderung erläutert Frau Rodgers bspw. neun verschiedene Algenarten oder siebzehn essbare Blüten und wofür sie verwendet werden können – das ist dann schon eher unpraktisch.

Struktur …

Das sehr poppige, in grellen Farben gewählte Magazin-artige Design des Buches soll wohl ein bisschen die fehlenden Fotos wettmachen, gefiel mir aber nach einiger Zeit nicht mehr so gut. Vor allem störte mich jedoch zunehmend, dass es einfach zu wenig vernünftige Struktur in dem Buch gibt. Obwohl es nur etwa 120 Rezepte sein sollen, die in dem Buch versammelt sind, ist der Eindruck auch nach mehreren Wochen immer noch verwirrend und unübersichtlich. Hier erschlägt das Design den Inhalt.

Ein sehr anständiges veganes Kochbuch mit einer Rezeptauswahl, die kaum eine Länderküche oder -region auslässt und mit vielen Grundanleitungen. Ein Buch für Entdecker und jene, die sich nicht von Rezepten ohne Fotos und teilweise sehr textlastigen Erklärungen abschrecken lassen. Das schrille Layout dürfte eher einer jüngeren Zielgruppe gefallen.

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Nachgekochte Rezepte:

Chocolate Smoky Tofu Mole in Tacos with Grilled Calçots
Mexikanisches Essen macht mich einfach glücklich! Ich bin dem Rat der Autorin gefolgt und habe die Calçots durch normale Frühlingszwiebeln ersetzt sowie Reis statt Tacos als Beilage serviert.

Artichoke, Potato, Spinach & Tofu B’stilla with Poppy Seeds and Rose Petals
Der köstliche marokkanische Klassiker hier in einer überzeugenden, sättigenden, veganen Version. Da die Füllung doch sehr reichlich war, habe ich allerdings eine größere Springform verwendet (24 cm Ø), das hat dann genau gepasst. Ich habe außerdem nicht bloß den Rand der Form verwendet, sondern die Form ganz normal mit Backpapier ausgelegt und dann befüllt. Das nächste Mal würde ich allerdings keine 4 Lagen Teig als Deckel haben wollen und vor dem Zusammenfalten zumindest von zwei Teigblättern einfach etwas vom überstehenden Rand entfernen.

Popcorn Chowder with Achiote
Achiote-Paste findet man häufig auch in asiatischen Lebensmittelläden und ich mag den warmen, erdigen Geschmack, mit dem es diese reichhaltige Kürbissuppe abrundet. Wir haben es nicht geschafft, auch die Kürbisse, in denen die Suppe serviert wird, vollständig aufzuessen (was dann aber prima Reste am nächsten Tag waren!). Und das Popcorn dazu ist einfach super, wer hätte das gedacht!

Orange Flower Water, Cardamom & Coconut Rice Pudding
Ein sehr leckerer Reispudding, den ich aber einfach ganz normal im Topf auf dem Herd und nicht im Ofen zubereitet habe. Schmeckt prima auch mit Rosenwasser (dann aber nur 1 EL verwenden), und natürlich auch mit frischem Obst.

Chia Seed, Rose & Raspberry Falooda
Ein Dessert, das schnell gegessen werden will, da das Eis sonst schmilzt und alles zu einer undefinierbaren Melange verwandelt. Sehr schnell zubereitet und einfach köstlich.

Vegan Brownies with Kahlúa Cream
Sehr süße Brownies, die wir genau deswegen auch lieber ohne zusätzliche Kahlúa-Sojaschlagsahne serviert haben. Leider hat sich der Teig im gebackenen Zustand nicht wirklich gut aus der Form bzw. vom Backpapier lösen lassen. Ansonsten aber leider ziemlich süchtig machend, ich werde also weiter mit dem Rezept experimentieren …

Black & Green Cheesecake with Bengali Lime & Avocado
Das erste Rezept, das ich nachgekocht habe und bei dem ich entdecken durfte, wie viele Blogger es doch gibt, die Rezepte zu ihren Rezensionen veröffentlichen, die sie offensichtlich nie zubereitet haben. Sonst wäre ihnen wie mir aufgefallen, dass in der Anleitung der Ofen vorgeheizt wird, im Rezept dann aber nicht wieder auftaucht (braucht man auch nicht, Ofen also aus lassen). Die Cheesecake-Masse hat bei mir leider nicht stabil ihre Form gehalten – so sah der Kuchen auf dem Buffet, zu dem ich ihn beigesteuert habe, genau 5 Minuten lang gut aus und lief dann komplett auseinander. Das kann zum einen daran gelegen haben, dass als festigende Zutat lediglich Kokosöl zum Einsatz kommt, das bei Raumtemperatur eben schnell flüssig wird, aber auch daran, dass im Rezept nicht angegeben wird, wie viel Milliliter Saft die verwendeten 5 Bengali-Limetten (die ich durch gewöhnliche Limetten ersetzt habe) und 2 Zitronen ergeben sollen. So hat also vielleicht auch das gesamte Flüssigkeits-feste-Zutaten-Verhältnis nicht gestimmt. Schade, vielleicht werde ich noch einmal einen Versuch starten, denn prinzipiell eine optisch und geschmacklich überzeugende kleine Torte.

Hot-Smoked Marinated Tofu
Hier wird Tofu mariniert und anschließend über grünem Tee, ungekochtem Reis und braunem Zucker heiß geräuchert. Die Konsistenz des Tofus mochte ich anschließend sehr, der Rauchgeschmack war allerdings doch etwas zu stark. Das kann bei mir auch daran gelegen haben, dass ich von den Räucherzutaten jeweils 2 EL verwendet habe, was vielleicht zu viel war (Rodgers macht dazu in ihrem Rezept leider keine Angaben).

Vegan Parmesan
Eine vegane Parmesan-Mischung, hier mit Pekannüssen. Bringt Würze an die Tomatensauce, ich kann aber auch gut darauf verzichten und streue lieber viel frischen Basilikum darüber.

Geschrieben im Februar 2017