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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | September 28, 2016

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Kochbuch von Hildegard Möller: Kohl ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Hildegard Möller: Kohl
Rezension

Kohl – Rezepte mit dem Evergreen
Hildegard Möller
Fotos Rogge & Jankovic Fotografen
Kosmos Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sabine Cikic Von

In das Cover habe ich mich sofort verliebt, und da Kohl in all seinen Varianten ein beliebter Gast in meiner Küche ist, bin ich immer auf der Suche nach neuen Rezepten und Entdeckungen.

Wie vielfältig die Auswahl an Kohlgemüsen auch hierzulande ist, zeigt Hildegard Möller in ihrem neuen, schlicht „Kohl“ betitelten Kochbuch. Da sind nicht nur die obligatorischen Weiß- und Rotkohlköpfe sowie die üblichen Verdächtigen Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Wirsing und Chinakohl, die um die Gunst des Käufers eifern. Auch der lange vergessene Spitzkohl, trendiger Grün- und Palmkohl, Pak Choi und sogar ganz neue Züchtungen wie die köstlichen Flower Sprouts (eine Kreuzung aus Rosen- und Grünkohl) tauchen mehr und mehr auch in ganz gewöhnlichen Supermärkten auf und sind auf dem besten Wege, vom „Kultgemüse“ zum Mainstream zu werden.

YALE = KALE

Ja, sogar Merchandising gibt es bereits! Irgendein findiger Mensch hatte die großartige Idee, das Wort „KALE“ im Stile der Yale-College-Shirts auf Kleidungsstücke zu drucken. Spätestens seit Beyoncé dann Anfang des Jahres mit so einem Shirt durch eines ihrer Musikvideos gehüpft ist, explodierte der Verkauf exponentiell… aber das nur so am Rande. Obwohl ich mich schon frage, ob die heutige Hipster dann auch nicht nur die Shirts kaufen, sondern auch doppelt begeistert ihre Smoothies schlürfen.

Besonders die Begeisterung der Autorin vor allem in Bezug auf Grün- und Schwarzkohl teile ich leidenschaftlich. In ihrer Einleitung, „Kohl – das Kultgemüse“ geht es zunächst speziell um diese Varietäten, es folgt das Kapitel „Die Kohlfamilie“ mit Porträts der anderen bereits genannten Kohlsorten. Die Rezept sind sodann gegliedert in „Vorspeisen und kleine Gerichte“, „Rohkost und Salate“, „Für jeden Tag“ und „Aus dem Ofen“, ein Register am Ende fehlt selbstverständlich nicht und ist sehr übersichtlich nach den Kohlsorten gruppiert worden, was mir gut gefällt.

Vegetarische und vegane Rezepte + Fleisch/Fisch-Vorschlag

Das gebundene Buch hat ein wunderbar handliches Format (etwas kleiner als A4) und kann also auch prima während des Kochens aufgeschlagen in der Küche liegen. Die Rezepte sind sehr übersichtlich gestaltet und bis auf ganz wenige Ausnahmen (Smoothies, einige Chips-Varianten) bebildert. Es fehlt das beliebte Lesebändchen, das ich persönlich jedoch nicht vermisse.

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Absolut großartig finde ich, dass alle Rezepte – als wäre das eine Selbstverständlichkeit – vegetarisch oder vegan sind. Bei einigen Rezepten ist in einem kleinen Kasten eine Variante des Rezepts mit Fleisch oder Fisch angegeben, nie aber sind diese Varianten auf den Fotos zu sehen. Gerade für ein Kohl-Kochbuch finde ich das eine ausgesprochen tolle Idee. Und dass einem auch ohne Fleisch oder Fisch nichts abgehen muss, zeigt Hildegard Möller eindrucksvoll durch ihre abwechslungsreichen und häufig farbenfrohen Rezepte. Hier holt sie sich teilweise Anleihen aus internationalen Küchen (z.B. Rosenkohl-Frittata, Pak Choi mit Sobanudeln), oder gönnt Küchenklassikern ein modernes Make-Over, indem sie bspw. Weißkohlsalat mit einem Knusperkrokant aus Kürbiskernen und Cranberrys bestreut oder Grünkohl zu Klößchen verarbeitet und mit Salbeibutter, Parmesan und Walnusskernen serviert.

Eintöpfe, die sich mausern

Bereits bei der Auswahl der Rezepte zeigt sich, wie gut sich das Buch in den Alltag einbringt. Für die meisten Rezepte ist eine Zubereitungszeit zwischen 30 und 55 Minuten veranschlagt. Nicht unbedingt ganz schnelle Küche, aber auch unter der Woche noch zu schaffen – vorausgesetzt man hat überhaupt Lust zum Feierabend zu kochen, aber ich habe das normalerweise fast immer. Die Zutatenlisten sind überschaubar, nicht zu lang und nicht zu komplex. Entsprechend sind die Ergebnisse eher bodenständig, aber doch häufig mit einem kleinen interessanten Twist, der nie überkandidelt daher kommt. Hier denke ich zum Beispiel an den Rotkohleintopf mit Petersilien-Haselnüssen, der beim Schöpfen in die Teller doch eher fragwürdig aussieht, aber durch das Toppen mit Schmand, Petersilie, gerösteten Nüssen und Granatapfelkernen sich optisch und geschmacklich gehörig mausert.

Über die Desserts …

Einzig die Dessert-Abteilung lehrte uns das Gruseln. Grünkohl-Brownies… eine mutige Rezensentin scheut kein Risiko, aber nein, das ging gar nicht. Stellen Sie sich vor, sie führen einen Brownie zum Mund, ihre Augen signalisieren ihrem Gehirn: hmmm, Schoki!, und dann, kurz bevor sie hineinbeißen, wittert Ihre Nase so einen komischen Geruch, kohlig eben, argh … Nach dem Experiment sind wir dann doch lieber bei den klassischen Verwendungsszenarien für Kohlsorten aller Art geblieben.

Ein kleiner Wermutstropfen für mich: nur zwei Rezepte liefert das Buch für meinen heiß geliebten Schwarzkohl, und auch einige andere Kohlsorten finden nur wenig Eingang in den Rezeptteil des Buchs (z.B. Chinakohl, Romanesco und Flower Sprouts nur je ein Rezept). Hier hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht, denn so prima Grünkohl auch ist, er ist hier ja doch nur eine relativ kurze Zeit im Jahr verfügbar. Aber vielleicht (hoffentlich!) ändert sich das auch bald und wir haben mehr Zeit, noch die weiteren der insgesamt 25 Rezepte mit ihm auszutesten.

Meine Nachkochliste ist noch lang und ich empfehle das Buch allen, die Lust darauf haben, abwechslungsreiche und köstliche Kohl-Gerichte in ihre Alltagsküche zu integrieren. Toll ist vor allem, dass die Autorin zeigt, dass dies auch ganz prima vegetarisch funktioniert. Laut Bon Appétit ist der neueste Kohl-Trend übrigens schon angerollt: Kohlrabi nämlich, der im Buch mit einigen Rezepten vertretn ist.

Nachgekochte Rezepte:

Cajun-Chips
Vor einiger Zeit waren Grünkohl-Chips DER Hit auf jedem Food Blog. Aber auch unser alter Bekannter, der Wirsing, eignet sich für diese Zubereitungsmethode ganz hervorragend! Die Variante hier ist ordentlich scharf, vor allem, wenn die Chips noch leicht warm gegessen werden. Wer das mag nicht mag, sollte die Menge Cayennepfeffer reduzieren.

Rosenkohl-Frittata
Für dieses Rezept wird Rosenkohl zunächst blanchiert und dann in einer käsig-sahnigen Ei-Masse mit Frühlingszwiebeln zur Frittata gebacken. Begleitet von einem frischen grünen Salat ein köstliches Abendessen unter der Woche.

Pasta mit Spitzkohl-Tofu-Ragout
Ein schnelles Pastagericht mit der Extraportion Gemüse – hat uns gut gefallen.

Schwarzkohleintopf mit weißen Bohnen
Unkomplizierte Suppen- und Eintopfrezepte sprechen mich immer an, und wenn dann auch noch Schwarzkohl involviert ist, gibt es kein Halten mehr. Wir würden lediglich die Weißweinmenge beim nächsten Mal reduzieren.

Chinakohl-Rouladen mit Couscous-Aprikosen-Füllung
Sicherlich eines der aufwendigsten Rezepte im Buch, für das zunächst Chinakohlblätter blanchiert und anschließend mit einer Couscous-Zucchini-Aprikosen-Mischung gefüllt und zugeschnürt werden müssen. Statt Baguette haben wir dazu Kartoffeln gegart, hätten uns allerdings noch mehr Sauce dazu gewünscht. Angenehm leicht und lecker, aber auch keine ganz große Erweckung.

Grünkohl-Brownies
Was hat der Grünkohl in den Brownies zu suchen? Wir sind der Meinung: nichts!

Geschrieben im Januar 2016