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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | January 23, 2017

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Kochbuch von essen & trinken: Unvergessene Küche ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von essen & trinken: Unvergessene Küche
Antiquariat

Unvergessene Küche –
Die schönsten Rezepte aus den deutschen Landschaften

Herausgegeben von der Zeitschrift essen & trinken
Gruner & Jahr (1979)

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling - zum Schwärmen gut!

Kathrin Sebastian Von

Ein Kochbuch der besonderen Art, in grobes Sackleinen gebunden, auf angegilbtem Papier gedruckt, Grafiken in Brauntönen und keine Fotos. Richtig, dieses Buch stammt aus dem vorhergehenden Jahrhundert, genauer von 1979. Die gute Nachricht vorweg, es findet sich noch in Gebrauchtbuchportalen und auf Flohmärkten – wenn einem diese Art des Kochbuchs überhaupt „liegt“.

Das Buch ist, abgesehen von verschiedenen Kinderkochbüchern, mein erstes „Erwachsenenkochbuch“ gewesen und hat auch jeden Umzug überlebt. Aufgebaut ist es – so würden wir es heute beschreiben – nach Bundesländern. Im Jahr 1979 gab es aber ja noch zwei deutsche Staaten und so finden sich in dem Buch vielmehr traditionelle Gerichte aus deutschen Landstrichen oder Gegenden plus Ostpreußen. Von Schleswig-Holstein über Baden, nach Hessen, Sachsen bis Mecklenburg und Pommern geht also die kulinarische Rundreise.

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Was ist denn das für ein Gericht?

Jedes Kapitel startet mit einer doppelseitigen naiven Zeichnung, gefolgt von einem kurzen Einführungstext zu Land und Leuten. Die Rezepte sind mit kleinen Bildern und Anekdoten versehen, manches Rezept in Sütterlin oder „Handschrift“ geschrieben. So ist der Unterhaltungswert schon ohne das Nachkochen recht hoch. Eine solche Aufmachung mutet heute richtig ungewohnt an – „old school“ wie es so schön heißt.

Die Rezepte sind jeweils typisch für die Region und haben ihre eigene Geschichte, sie waren von den Speisekarten verschwunden und kommen teilweise gerade wieder dort drauf. Genau das macht den Reiz dieses typischen 1980er Jahre-Buches aus, es ist ein Lesebuch und ein Nachschlagewerk. Nichts für Menschen, die sich Fotos und ein durchgestyltes modernes Layout wünschen.

Es ist eben ein Buch, welches immer dann zum Einsatz kommt, wenn Fragen auftauchen wie: Was ist denn das für ein Gericht? Welche Zutaten kommen da eigentlich rein? Wie lange muss es in den Ofen und woher kommt das wohl?

Die ersten selbstgemachten Rinderrouladen

Die Anzahl der nachgekochten Rezepte ist, nach über 35 Jahren, recht hoch. Welche sind besonders in Erinnerung geblieben? Eigentlich habe ich keine Erinnerungen an besonders herausragende Speisen, es sind vielmehr die Rezepte, die gerade in den täglichen Speiseplan gepasst haben oder unbedingt einmal nachgekocht werden wollten. Vielleicht ist das ja auch das Besondere an dem Buch, ein unaufdringlicher Begleiter über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Doch, halt, wenn ich darüber nachdenke sind es vielleicht die ersten selbstgemachten Rinderrouladen. Da war es vor allem die Garmethode und die Garzeit, die ich nicht ermitteln konnte. Nicht vergessen: Internet-freies Jahrzehnt. Ein besonderes Essen stand an und da sollte alles gut laufen, ist es auch.

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Eine der wenigen nachgekochten Süßspeisen aus dem Buch waren die Dampfnudeln. Wie bei allen Rezepten stehen auch hier die Zutaten übersichtlich neben dem Rezept. Die Zubereitungshinweise gehen schrittweise vor und lesen sich einfach und klar. Misslungen ist mir noch nicht einmal dieses Hefeteigrezept – davor hatte ich damals immer großen Respekt.

Ich merke gerade, es sind meist Rezepte, für die ich inzwischen meine eigene Art der Zubereitung habe und für die es viele Varianten gibt, aber genau das macht Kochen für mich aus (und es gelingt mit diesem Buch bestens): Eine Grundidee, ein vergessenes Rezept, die nötigen Zutaten, regional und saisonal angepasst und zeitgemäß zubereitet.

Wer Kochbücher auch kauft, um sie zu haben, in ihnen zu lesen und immer mal wieder darauf zurückzugreifen, kommt an dem Buch nicht vorbei. Es ist kein Buch „für alle Tage“. Ob es schon ein Klassiker ist, kann ich nicht beurteilen, bei mir im Regal in jedem Fall!

Typisch deutsche Küche!

Es kommt gerne zum Einsatz, wenn mit (ausländischen) Freunden die Diskussion um die „typisch deutsche Küche“ aufkommt. Nein, es sind nicht Knödel, Kraut und Haxen … Die Vielfalt der Küche und die Gerichte mit ihren landestypischen Bezeichnungen zeigt das hier wirklich nachdrücklich.

Für mich ist es ein Buch für die Kochbuchsammlung, aber vielleicht auch weil ich es durch meine rosarote Nostalgiebrille sehe. Gut auch, dass einige Menschen anders zu diesem Buch stehen und ihr Exemplar verkaufen. Tipp: Zugreifen.

Weitere Rezepte:

Labskaus
Wer damals „neu“ war in Bremen, schlug das sicherheitshalber gleich einmal nach. Das angegebene Rezept ist eines von dutzenden möglichen Varianten, die es an der Küste so gibt. Immerhin verschafft es einen Überblick und eine Orientierung. Heute koche ich Labskaus eben nach meinem Rezept, die Ursprünge aber liegen hier.

Himmel und Erde
Der rheinländische Klassiker darf bei den nachgekochten Rezepten in keinem Fall vergessen werden. Natürlich weiß ich inzwischen, welche Zutaten dort hinein kommen und habe meine eigene Variante davon entwickelt. Diese schmeckt ja auch niemals gleich, abhängig von den verwendeten Äpfeln oder Kartoffeln ist der Genuss immer wieder „neu“. Der erste Hinweis, was wirklich in den Topf hinein gehört, stammt aber aus diesem Buch, meine Oma hatte ich leider vergessen zu fragen…

Hamburger Aalsuppe
Nicht zu vergessen die Hamburger Aalsuppe, deren Name und Bedeutung ja lebhaft diskutiert wird, heißt sie nun so, weil Aal darin ist oder weil „aal´s bin“ (alles drin) ist… Egal wie, die Zutaten sind nach „surf and turf“-Manier (Aal und Schinken) und es war als Hamburger Studentin natürlich wichtig, ein Traditionsgericht kochen zu können – ohne Aal, wegen des Geldbeutels, eher mit allem drin, was der Kühlschrank so hergab.

Thüringer Klöße und Semmelknödel
Für Thüringer Klöße und Semmelknödel kommt das Buch ebenfalls regelmäßig in der Winterszeit zum Einsatz – nein, ich will hier nicht schreiben, dass es auch diverse Zubereitungsvarianten bei Klößen gibt. Das versteht sich doch von selbst.

Geschrieben im Juli 2015