Cover: Mosaik bei Goldmann
Im Kulinarischen Report des Deutschen Buchhandels 2008 las ich, dass die Kundennachfrage an Kochbüchern aus Nordamerika vergangenes Jahr abgenommen hat. Erst die Präsidentschaftswahl könne daran was ändern, so die Einschätzung der Buchhändler. Von diesem Trend ausgeschlossen sind die Kochbücher von Cynthia Barcomi. In der schönen Kochbuchhandlung Goldhahn & Sampson (Berlin-Prenzlauer Berg) ist die erste Veröffentlichung der amerikanischen Berlinerin – das Backbuch – ein Bestseller, berichtete der Ladeninhaber Andreas Klöckner. Auch in ihrer Neuerscheinung bleibt Cynthia Barcomi ihren US-amerikanischen kulinarischen Wurzeln treu.
Cynthia Barcomi hat für ihre Neuerscheinung ca. 80 Rezepte zusammengetragen, die sich für festliche Anlässe kleinerer und größerer Art eignen. Festtage, die sie gerne feiert mit Freunden und Familie. Dazu gehören Mutter- und Vatertag (historisch ganz unbelastet), Seder und Ostern, Buffet für Brunch, Geburtstag und der Schwiegermutterbesuch und einiges mehr. Herkunft der modernisierten Klassiker-Rezepte sind die USA (Lemon Sponge Cake, Pumpkin Mousse), aber auch Europa (Erbsencremesuppe mit Minze, Serviettenknödel und Caponata).
Den Rezeptbeschreibungen hat Cynthia Barcomi zumeist eine persönliche Einleitung vorangestellt. Hinsichtlich der Anzahl der Zutaten ist alles dabei: sehr kurz und sehr lang. („Exotische“ Zutaten sind kaum zu finden.) Das gilt auch für die sehr genauen Kochbeschreibungen: teils einfach, teils aufwendig. Jedes Gericht ist fotografiert. Wer ihren stylisch-puren Laden in Berlin-Mitte kennt, wird überrascht sein: Fotos und Layout des Kochbuchs sind lieblich und dekorativ, mit einem Hauch Romantik. Ein Erscheinungsbild, das stimmig zu dem Programm und Leserschaft des Goldmann Verlages passt. (Gegenüber ihres zuvor erschienen Backbuchs sind manche ihrer Foto-Porträts eigenwilliger geworden, was mir gut gefällt!)
Cynthia Barcomi hat ein Kochbuch geschrieben für Frauen wie sie: gesellige und genussfreudige Köchinnen mit Familie, hier wird kein Gedanke an Kalorien verschwendet – zum Glück. Dabei nimmt sie mit ihrer Rezeptauswahl jede mit, vorausgesetzt es ist Interesse an der US-Küche vorhanden. Auch als vielkochender Homecook habe ich Neues und Inspiration gefunden – neben einigen bekannten Klassikern. (Lohnenswert fand ich übrigens ihr Kapitel zur Küchenausstattung). Im Vergleich zu ihrem Backbuch hat das Kochbuch für Feste nicht die klare Linie, so begeistert es nicht im gleichen Maße, obwohl es zweifellos solide ist.
Cynthia Barcomi Rezeptebeschreibungen sind foolproof: Die von mir probierten waren allesamt zuverlässig und durchdacht. Ihre mitunter sehr persönliche Ansprache und das liebliche Erscheinungsbild werden viele Herzen treffen, für mich sind sie zu „süß“. Ist der coole US-Style ihrer Cafes in dem Buch zwar nicht zu finden, so schimmert in ihren Texten die amerikanische Begeisterungsfähigkeit durch.
Meine Favoriten & Flops
Chicken Cacciotare (Hähnchen nach Jägerart)
Das Hähnchen wird mit Paprika und Champignon in Tomatensauce gegart. Es ist gut, dass man dafür Freunde einladen möchte. Zum Rezept
Smoked Trout Spread (Forellencreme)
Geräucherte Forellenfilets mit Frischkäse, Sauerrahm, Merettich, Frühlingszwiebeln und Dill ergeben eine sagenhafte Creme, die am zweiten Tag „rund“ ist. Ich habe das Rezept auch mit der (preiswerteren) geräucherte Makrele probiert: Aber die Forelle ist mit ihrem eindeutigen Rauchgeschmack spitze. Zum Rezept
Meatloaf (Falscher Hase): Mir ist das deutsche klassische Rezept immer zu trocken, so schön die Erinnerungen daran auch sind. Die Variation der Autorin sieht als besondere Zutat auch Karotte, Cheddar/Emmentaler und getrocknete Tomate vor (wichtig: sehr klein hacken), das macht den Braten saftig. Für mich ist das Rezept nah dran an der „perfekten“ Variante. Gestaunt habe ich über die Mengenangabe von 2 kg Hackfleisch für vier Portionen… Das reicht auch für die Folgetage. Ein Tipp: Die Bratensauce nicht wegschütten, sondern für eine Sauce verwenden.
Dates to die for (Datteln zum Niederknien): Die Datteln werden mit Parmigiano gefüllt, in durchwachsenen Speck eingerollt und anschließend gebacken. Ich werde dieses Rezept noch einmal mit Dörrpflaumen probieren: Vor Datteln-Süße habe ich den Käse nicht mehr geschmeckt.
Harry’s Bar Rolls (Brötchen aus Harry’s Bar): Hier bin ich dem Foto und meinen Vorstellungen zum Opfer gefallen: Ich erwartete sagenhaft weiche und ein bisschen knusprige Brötchen. Aber sie entpuppten sich als vor allem knusprig und knackig. Das Rezept hat mich nicht mitgerissen.
Cynthia Barcomi, Kochbuch für Feste: Große und kleine besondere Anlässe, erschienen bei Mosaik bei Goldmann (2008)
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MEHR AUF VALENTINA
Die Gastautorin Natalie Fellhauer probierte aus Cynthia Barcomi’s Backuch eine Reihe von Rezepten aus und hat ihre Eindrücke aufgeschrieben. Zur Rezension mit Rezept
TIPP FÜR BERLIN
Cynthia Barcomi führt in Berlin zwei Cafés. Zur Website
Geschrieben im Oktober 2008











