Cover: Hölker Verlag
Schlage ich Virginie Besancons Kochbuch auf, dann erscheinen das farbenprächtige Landleben Süd-Frankreichs, viele Rezeptfotos und Bilder der Idylle: reife Tomaten, eine Katze im Kirschbaum und Fotos eines Gemüsemarkts. Fast sieht es zu perfekt aus. Das erste Mal fragte ich mich: Ein Kochbuch mehr aus der Grafikabteilung statt aus der Feder einer Kochbuchautorin? Aber dann entdecke ich Fotos von Virginie Besancon, die soviel natürlichen Charme auf den Fotos verbreitet, das ganz klar ist: Das Kochbuch ist „echt“!
Virginie Besancon lebt heute nahe Aix-en-Provence. In ihrem Vorwort schreibt sie, dass sie nach einem Studium der Bildenden Kunst in Paris per Zufall als professionelle Köchin tätig wurde. Sie sei Autodidaktin: Zunächst hat sie eine Theater-Truppe auf Tournee versorgt, anschließend wurde sie für private Anlässe beauftragt und schließlich hat sich auch in einem Restaurant gekocht. Seit 1992 schreibt sie ihre Rezepte in eine Kladde, die nun ein Buch geworden ist. „Und ich begann die provenzalische Küche wegen ihres Überflusses an Gemüsesorten und Olivenöle sowie der Mischung feiner Aromen immer mehr zu mögen. In der Provence vermengen sich verschiedene Kulturen: die französische, italienische, nordafrikanische, korsische und spanische.“
Virginie Besancon hat ein vegetarisches Kochbuch verfasst, das nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter sortiert ist. Zu finden sind Klassiker der französischen Gemüseküche (z.B. Passaladière, ein Zwiebelkuchen, kalte Gurkensuppe, Aprikosen-Tarte). Für sie ist bei der Auswahl der Rezepte nicht Maßstab gewesen, dass die Rezepte eine Hauptmahlzeit sind. Es sind eher „little meals“ zu finden, auch manche Idee zum Einmachen. Einige Rezepte werden persönlich eingeleitet, die Rezeptbeschreibung sind knapp gehalten und manchmal ist ein Tipp zu finden. Die Zutatenanzahl variiert von wenig bis viel. Bei letzteren sind Gewürze und Kräuter dominant. (Letztere haben mich beim Einkauf vor keine sonderlichen Herausforderungen gestellt.)
Nach meinem ersten Hineinlesen war ich gespannt, was mich beim Kochen erwarten würde. Virginie hat in ihrem Kochbuch Klassiker und weniger bekannte Rezepte zusammengestellt. Die Variationen überraschten mich (als „Vielkocher“) beim Lesen zunächst weniger. Beim Kochen der Sonnenküche haben mich Ihre Rezepte aber überzeugt: Offensichtlich hat sie sie häufig gekocht und schließlich auf den Punkt gebracht. (Selten dachte ich: Das fehlt oder das ginge auch …). Die Gerichte sind intensiv in der Aromenvielfalt aber nie „verkünstelt“, wie ich finde. Ihre Rezepte sind zuverlässige Klassiker mit manchen kleineren Variationen, die ich gerne in mein Repertoire aufnehme. Die Menge an Papierseiten könnte hinsichtlich der Menge an Rezepte missverständlich sein: Hier wurde nicht gespart an Platz für Fotos.
Zu dem Kochbuch fallen mir die Worte „bodenständig und charmant“ ein: Das Buch ist liebevoll gestaltet, dass ich es gerne zur Hand nehme.
Favoriten und Flops
Gedünsteter (grüner) Spargel mit Ziegenfrischkäse-Creme
Der Ziegenfirschkäse (oder Ricotta) wird mit Estragon, Fruchtessig und Orangensaft (!) angemacht. Großartig! Zum Rezept
Mediterraner Möhrensalat
Der Möhrensalat mit roten Zwiebeln, Koriander und Rosinen wird mit einem Dressing aus Honig, Zitrone, Ingwer und Olivenöl angemacht. Für mich der Picknick-Salat schlechthin! Zum Rezept
Auberginen-Flan nach Art der Päpste: Das ist ein aufwendiges Rezept. Doch zum Glück: Man wird reich „belohnt“. (Bei dem Foto hat man den Grünstich des Flan offensichtlich entfernt.)
Tomatensauce: Virginie gibt Zwiebeln, Knoblauch, Oregano, Lorbeer, Thymian sowie – jetzt wird es interessant – Curry und Piment dazu. Werde ich wieder kochen! Außerdem habe ich ihre Anregung aufgegriffen, in diesem Sommer frische Tomatensauce einzumachen.
Kalte Gurkensuppe mit Mandeln und Minze: Einfacher Klassiker, weniger oder sehr milder Knoblauch reicht aus.
Kartoffel-Tajine mit eingelegten Zitronen und Oliven: Bei dem Rezept ist etwas daneben gegangen. Nur was?
Geschrieben im Juli 2008


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