Foto: Manos Chatzikonstantis / Dorling Kindersley Verlag
Von Gastautorin Stefanie Czybik
„Es ist ein Kochbuch!“ antwortete ich immer wieder, wenn Freunde Tessa Kiros’ Neuerscheinung Venedig bei mir entdeckten und mich fragten: „Ist der Bildband neu? Wollt ihr nach Italien verreisen?“ Häufig verwirrte sie meine Antwort aber noch mehr. „Ein Kochbuch? Aber die vielen Venedig-Fotos … Wo sind denn da die Rezepte?“ – „Na, zwischen den Fotos! Und übrigens hat es auch einen Untertitel – Kochen für alle Sinne.“
Dass die Rezeptsammlung von meinen Freunden beim ersten Durchblättern nicht sofort dem Kochbuchgenre zugeordnet wurde, liegt – neben den vielen und schönen Fotos von Venedig und seinen Bewohnern – an seiner edlen Ausstattung, die für den Einsatz in der Küche überraschen: schwarzes Samtlesebändchen, Goldschnitt und ein Cover jenseits der üblichen Kochbuchästhetik. Hier springen nicht die Autorin oder vollständig auf das Essen reduzierte Darstellungen ins Auge, sondern zunächst die üppige Rosenpracht – auch sie wohl ein Sinnbild von Venedig – und dann erst die zubereiteten Muscheln. Zwischen den Rezepten finden sich kleine Textskizzen über Venedig, eher zart denn informativ. Als Schriftfarbe im Buch hat man einen Goldton gewählt – sicher ungewöhnlich. (Sie war aber für mich aufgrund fehlender Kontraste eher hinderlich beim Lesen mit Nachttischbeleuchtung.) Etwas mehr Umsicht für den Leser hätte ich mir bei der Seitengestaltung/Satz gewünscht: weniger Schriftgrößen – ich habe fünf verschiedene gezählt – und mehr Seitenrand.
Nun aber zum Wichtigeren für mich, dem Inhalt: Gegliedert ist das Buch wie eine Speisekarte in einem italienischen Restaurant – mit Aperitifs beginnend, finden sich dann Cicchetti (kleine Leckerbissen), Antipasto, Suppen/Pasta/Gnocchi, Risotto, Secondi, Contorni und Dolci. Dafür hat die Wahlitalienerin Tessa Kiros (Foto links) über hundert Rezepte in Venedigs Küchen zusammengetragen: persönliche Variationen von Familienrezepten, bei denen die Gradlinigkeit und nicht Raffinesse im Mittelpunkt steht. Vorangestellt ist jeweils die Entdeckungsgeschichte der Autorin, oft deutet Tessa Kiros mögliche Abwandlungen an. Fisch und Meeresfrüchte sind häufig in den Zutatenlisten der Rezepte zu finden. (Für mich sind sie interessant zu lesen, aber solange ich nicht am Meer wohne, ruht deren Umsetzung.) Viele Rezepte sind auch vegetarisch. Die Zubereitung scheint mir bei nahezu allen Rezepten machbar, bei vielen auch für Kochanfänger, denn sie ist Schritt für Schritt beschrieben. Das Nachkochen erfordert wenig bis viel Aufwand. Letzteres liegt selten in der Zubereitung, sondern vielmehr an den Kochzeiten. Ein Teil der Rezepte wird von Foodfotos begleitet, die das Essen immer in einem ganz speziellen und vergänglich wirkenden Ambiente zeigen.
Anders als meine Freunde hat Tessa Kiros‘ Venedig mich übrigens nie verwirrt, weil Reisebildband und Kochbuch hier in einem sind. Für mich ist es vor allem ein Kochbuch mit vielen Fotos. Es hat seinen Platz in der Küche gefunden (und bekommt trotz seiner wertvoll wirkenden Aufmachung sicher irgendwann seine Spritzer beim Kochen ab). Aber ganz wie man es sieht und nutzt: Venedig kann auch Coffeetablebook sein und ist gut auf dem Sofa oder zumindest in dessen Nähe aufgehoben.
Tessa Kiros’ Venedig besticht vor allem durch sein inspirierendes Erscheinungsbild: eine Bilderflut von Venedig erwartet den Betrachter wie bei einem Reisebildband. Dabei erscheint die Küche vielleicht als nicht ganz passender Ort für das Buch aufgrund seiner edlen Ausstattung – trotz der Rezepte. Sie erfreuen Fischliebhaber und Vegetarier: Tessa Kiros präsentiert zuverlässige Familienrezepte der italienischen Küche.
Favoriten und Flops
Gnocchi di zucca (Kürbis-Gnocchi): Angerichtet mit Salbeibutter und Parmesan kommen diese Gnocchi ganz zart im Geschmack daher. Die Kürbisklößchen schmecken so gut, die werden bei mir ein festes Herbst-/Winterrezept.
Lasagne di radicchio: Ich liebe Lasagne, auch jenseits der klassischen Tomaten-Hackfleischfüllung. Für diese vegetarische Variante werden die Lasagneblätter mit Radicchio und Béchamelsauce geschichtet. Ein leichter Bittergeschmack bleibt. Gut!
Fegato alla veneziana (Kalbsleber mit Zwiebeln): Ein leicht umsetzbares Rezept, sehr ähnlich der mir bekannten Zubereitung. Zu den Zwiebeln werden Salbei, Weißwein und am Schluss Petersilie dazugegeben. Das passt gut. Ich habe noch Apfelscheiben hinzugefügt.
Zucca e funghi al forno (Kürbis und Pilze aus dem Ofen): Lässt sich gut im Voraus vorbereiten und gelingt dann ohne großes Zutun fast von allein. Der Geschmack ist sehr intensiv und verlangt nach einer Beilage (Pasta, Brot).
Crema di mascarpone: Vanille, Zimt und Weinbrand machen aus Mascarpone schnell eine winterliche Creme.
Tessa Kiros, Venedig – Kochen für alle Sinne , Fotos Manos Chatzikonstantis, Dorling Kindersley Verlag (2009)
Bei Amazon bestellen ...
MEHR VON TESSA:Die Welt in meiner Küche: Familienrezepte von Finnland bis Südafrika ist als erstes Kochbuch von Tessa Kiros erschienen (Dorling Kindersley Verlag, 2005).
MEHR VON TESSA: Es folgt ihr zweiter Kochbuchtitel: Die Toskana in meiner Küche: Familienrezepte von Januar bis Dezember (Dorling Kindersley Verlag, 2007).
MEHR VON TESSA: Das Kochbuch Familien-Rezepte. Bunt wie das Leben von Tessa Kiros erschien 2009 (Dorling Kindersley Verlag).
Geschrieben im Januar 2010
Kategorie(n): Italienisch, Kochbuch
Kommentare zu diesem Artikel
Gabi und Lorenz
Ein wirklich schmackhaftes Rezept, welches wir sowohl zu Hause als auch bei den Kochreisen zubereiten.











