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Rezepte aus aller Welt

Jane Lawson: Das Winterkochbuch - Den Winter lieben lernen

Winterkochbuch

Cover: Christian Verlag

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Christiane Schwert

Von Gastautorin Christiane Rita Schwert

Um ganz ehrlich zu sein: Diesem Buch stand ich skeptisch gegenüber. Erstmal, was soll das überhaupt sein, ein Winterkochbuch? Ist doch eine bisschen allgemeine inhaltliche Klammer. Und dann die Umschlaggestaltung: Schlittschuhe in einem winterlichen Fenster, dekoriert mit pinken Lackschneeflocken… Hm, ob das was ist? Doch glücklicherweise hatte ich Gelegenheit, einen Blick hineinzuwerfen, denn dieses Buch ist innen hui!

Schlägt man den schweren Band auf, finden sich geschmackvolle opulent inszenierte Food-Stilleben mit nordisch-klarem Hintergrund . Hier haben der Fotograf Brett Stevens und die Foodstylistin Lynsey Fryers eine ganz eigene, wie ich finde sehr moderne (auch was die Wahl des Interieurs angeht), Bildsprache gefunden, ohne dass die einzelnen Gerichte jedoch total stilisiert und somit nicht realistisch nachkochbar wären.

Winterkochbuch

Janet Lawson, die lange als Chefköchin in Sydney arbeitete und schon einige Kochbücher veröffentlicht hat, ist eine bekennende Liebhaberin des Winters und seiner kulinarischer Genüsse. (Linkes Foto: Cover der englischsprachigen Originalausgabe). Da ihr Heimatland Australien diese Liebe nur bedingt erwidert, hat sie auf Reisen durch Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn, Russland und dem Baltikum, Skandinavien, Frankreich, der Schweiz und Italien eine Vielzahl winterlicher Rezepte zusammengetragen. Der Band beinhaltet hochprozentige Heißgetränke und gehaltvolle Eintöpfe ebenso wie festliche Braten für bis zu 20 Gäste.

Leider erwähnt Lawson jedoch nur im Vorwort ihre kulinarischen Streifzüge. Dabei hat sie gewiss einiges an spannender Recherche für das vorliegende Kompendium betrieben. Auf diesem Weg hätte ich als Leserin sie gern begleitet. Denn interessant ist doch gerade, warum sie die beschriebene Variante eines Gerichts wählt oder in welchem Land ein Rezept seine Ursprünge hat. Diese Hintergrundinformationen hätten das Buch unabhängig von der reinen Rezept- bzw. Zubereitungsebene noch gehaltvoller gemacht.

Janet Lawson ist unbenommen ein Profi, das schlägt sich in jedem ihrer Rezepte nieder. Ihre Art zu Kochen bleibt nie an der Oberfläche, sondern – und das ist das Besondere – sucht Qualität in Breite und in Tiefe eines jeden Gerichts: die Bohnen-Maronen-Suppe mit Jakobsmuscheln wird mit selbstgemachtem Petersilienöl verfeinert, die Miesmuscheln im Fenschelsud durch einen Klecks Creme Fraiche bereichert. Es sind diese Details, die ein Gericht noch runder machen, und die mir als „Nachkoch“ ein echter Zugewinn waren.
Das heißt allerdings auch, dass dieses Rezeptsammlung nicht unbedingt etwas für every-day-cooking ist (ein halbes Kilo Pilze in kleinste Würfelchen zu schneiden, kann nach einem langen Arbeitstag schon zur Geduldsprobe werden…). Das Kochen der Gerichte will geplant sein, denn die Liebe zum Detail schlägt sich auch in eher umfangreichen Zutatenlisten nieder und ist daher eher etwas fürs Wochenende. Dem entsprechen die umfangreichen Portionenberechnungen: die Rezepte sind häufig für 6-8 Personen (Sonntagsgäste) berechnet. (Das Runterrechnen auf meinen Zweieinhalb-Personen-Haushalt fand ich etwas anstrengend.) Ein weiterer kleiner Wermutstropfen in hellgrauer (!) Farbe ist die recht kleine schwer leserliche Schrift.

Kurzum: Das ist ein tolles Buch! Die Rezepte sind vielleicht teilweise etwas aufwendig, aber keine Hexerei, und mit Zeit und guter Planung für einen geübten Homecook kein Problem. Sich von Lawson durch die, wenn auch etwas textlastigen Rezepte leiten zu lassen, habe ich als großen kulinarischen Gewinn erlebt. Dieses Buch bringt definitiv Kochvergnügen! Mir hat es in diesen schneereichen Tagen zwischen den Jahren viel Freude bereitet bei einem Holunderpunsch mit Gin und Zitrone die Speisenfolge für das kommende Wochenende zu planen!

Meine Favoriten & Flops

Winterkochbuch

Hüttenkäseknödel mit Pflaumenfüllung und Zimtwalnüssen
Ganz, ganz köstlich! Herrlich „knatschige“ Konsistenz der Knödel aus denen beim Zerteilen der heiße Pflaumenmus läuft! Perfektes Säure-Süße-Verhältnis, da der Knödelteig gar nicht gesüßt, sondern nur mit Zitronenabrieb und Vanille aromatisiert wird; vorm Servieren wird alles mit Puderzucker bestäubt, dazu, ebenfalls ungesüsste heiße mit Zitronensaft abgeschmeckte Zimtwalnüsse; Zucker also nur punktuell und daher so gut!! Zum Rezept

jane Lawason

Holunderpunsch mit Gin und Zitrone
Schon vor Winterende habe ich den Punsch zum Getränk dieser Saison gekürt! Leider ist der Vorrat an selbstgemachtem Holundersirup bereits aufgebraucht. Ich habe etwas weniger Gin pro Glas genommen, dafür gern auch noch ein zweites getrunken… Zum Rezept



Miesmuscheln im Fenchelsud: Ein tolles Muschelrezept, das mir mit seiner Anis-Fenchelnote neu war! Für meinen Geschmack kann ruhig deutlicher gewürzt werden und auch sollte man etwas mehr Brühe, als im Rezept angegeben, verwenden.

Kartoffel-Wraps mit Räucherlachs und Gurken-Relish: Das Gericht wurde von den Mitessenden als das perfekte Kater-Essen geschildert! Ich fand es gut, aber etwas zu üppig mit Lachs und Ei-Sardellen-Butter. Das Gurken-Relish fand ich dafür sehr frisch und lecker!

Graupensuppe mit Pilzen, Hering und würzige Kräutersahne: Das ist zweifellos eine gute Suppe, deren Aufwand allerdings nicht unbedingt in Relation zum Ergebnis steht.

Sauerbraten mit Brotklößen: zartes, schmackhaftes Fleisch, nur leider sehr sauer; da stimmte etwas nicht mit den Mengenangaben für Rotwein und Rotweinessig. Schade!

Bohnen-Maronen-Suppe mit Jakobsmuscheln und Petersilienöl: Soviele tolle Zutaten (Maronen, Parmaschinken, Borlotti-Bohnen, Thymian, Apfel, Sahne…plus Petersilienöl und Jakobsmuscheln), mir war es einfach schlichtweg zuviel, dazu sämig. Bohnen und Maronen stritten um die Vorherrschaft und schnitten leider beide nicht besonders ab…

Winterkochbuch

Jane Lawson, Das Winterkochbuch. 120 Rezepte die Leib und Seele wärmen, Christian Verlag (2009)

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Geschrieben im Januar 2010

Kategorie(n): Kochbuch, Winter

Kommentare zu diesem Artikel

Ulrike
Oh, toll, Knödel(n) für meinen Knödel(n)-Liebhaber

Tanja Hammerl
Sehr schöne Buchkritik. Kann eigentlich alle positiven aber auch die Kritikpunkte so unterstreichen. Habe das Buch mittlerweile auch schon 2 mal verschenkt und jeweils die gleichen positiven Reaktionen erhalten. Definitiv zu empfehlen!

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