Cover: Quadrille Publishing
Ich liebe charaktervolle Kochbücher und bei diesem war ich mir nach dem ersten vertieften Lesen ganz sicher: Das ist ein Volltreffer! Die Autorin Skye Gyngell führt außerhalb von London das angesagte Restaurant Petersham Nurseries Cafe, das auch eine eigene Gärtnerei hat.
Skye Gyngell versteht ihr Kochbuch nicht als bloße Weitergabe einer Anzahl von Rezepten, sie möchte dem Leser ihre Idee des Kochens und ihre Erfahrung weitergeben: „A recipe is a simply documentation of a cooking process. Its function is to provide a list of ingedrients and an idea of the method and structure of a dish, which is invaluable to the inexperienced cook. But merely, following a recipe is ultimately an unfulfilling experience unless you learn to apply all your senses …“
Das Buch startet mit Skyes Tool-Box (Zitrone, geröstete Nüsse, gebackene Tomaten etc.): Diese Aromen verwendet sie ganzjährig, um für den Geschmack die ausgewogene Balance zwischen süß, sauer und salzig zu finden. Die anschließenden Rezepte sind saisonal gegliedert: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Kapitel Frühling sind z. B. „Carrots with honey, lemon zest and thyme“ zu finden. Die Rezepte beginnen mit einer persönlichen Einleitung von Skye, Erläuterung und wissenwerte Details z. B. „Carrots tends to be a little dull simply boiled, but cooking with honey and butter gives them a deep, caramel flavor …“ Die Zutatenmengen sind tendenziell umfangreicher bis sehr umfangreich. Ich habe bei einem Rezept 18 Zutaten gezählt, eher Gewürze denn Grundzutaten. Die Rezeptbeschreibungen sind ausführlich. Fast jedes Rezept ist mit romantischen Fotos bebildert in einer eigenwilligen erdverbundenen Bildsprache.
Nun, ich traue es mich gar nicht zu sagen: Beim Durchstöbern der Reviews habe ich nur Lob in höchsten Tönen gelesen, da fühle ich mich wie bei des Kaisers neuen Kleidern (mit einer Ausnahme): Ich bevorzuge das Werk inzwischen als Leselektüre denn als Kochbuch, nachdem ich einige Rezepte nachgekocht habe. Die Rezepte sind z.T. sehr aufwendig hinsichtlich Zeit und Zutaten (Gesonderte Zeitangaben wären daher hilfreich gewesen.) Das Geschmackserlebnis ist für mich persönlich zu „verspielt“, wenn ich es denn gefunden hatte. Sehr häufig fand ich hinsichtlich des Aromas keine Entsprechung zu dem Aufwand. Da hilft mir ihr Rat wenig: „To appreciate the nature of any dish … you really need to have cooked it several times. It is only then that will you understand its very heart.“ Mein Annahme ist, dass die Restaurantrezepte für das Kochbuch 1:1 übernommen wurden und daher weniger an die Köche zuhause gedacht wurde. Trotzdem: Das Buch nehme ich gerne zu Hand, weil zweifellos viel Herzblut darin steckt.
Favoriten & Flops
Pan-roasted chicken with lentils, roasted tomatoes and basil oil: Das ist ein wirklich tolle Kombination von Aromen.
Panade of slow-cooked onions with Gruyère: Die Suppe war verglichen zu den übrigen ein zügiges Gericht, sie ist nicht superb aber bodenständig.
Lentil, red pepper and cumin soup: Was ist daran besonders?
Chick peas with chilli, lime, tamarind and coriander: Ratlosigkeit! Die Möhren sind sehr dominant. Außerdem habe ich mich nicht getraut 100 ml Maple Syrup dazu zu geben.
Smoked haddock chowder: Zuviel Zitrone und schwer im Magen!
Salt cod with tomato, fennel, saffron and aioli: Es fehlte ein frisches Element.
Pan fried veal chops with almond and rosemary aioli:Das Aioli war ein feste Paste.
Parsnip pureé with thyme, mustard and crème fraiche: Für meinen Geschmack zu süß und der Senf dazu nicht passend.
Skye Gyngell, A Year in My Kitchen, englischer Originaltitel erschienen bei Quadrille Publishing Ltd. (Taschenbuch)
Bei Amazon bestellen ...Geschrieben im März 2008











