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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | June 27, 2016

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Backbuch von Annik Wecker: Geburtstagskuchen ★ ★ ★ ★

Backbuch von Annik Wecker: Geburtstagskuchen
Rezension

Geburtstagskuchen – Anniks großartige
Torten und kleine Überraschungen
Annik Wecker
Dorling Kindersley (2015)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Katharina Höhnk Von

Es gibt Kochbuchautoren, zu denen man erst zögerlich Vertrauen fasst. Annik Wecker ist es in meinem Fall. Als ihr erstes Buch erschien, schrieb ich die Tatsache mehr der prominenten Ehe mit Konstantin Wecker zu als ihrer Begabung.

Mein kulinarisches Netzwerk raunte anderes, so dass ich zögerlich das erste Buch anfragte. Die Einschätzung der Rezensentin fiel vortrefflich aus. Ich war beeindruckt und ließ künftig kein Buch aus. Anlässlich der Neuerscheinung Geburtstagskuchen wollte ich es dann selber wissen.

rezension-b-annik-wecker-geburtstagGeburtstagskuchen: das Herzstück der Festlichkeit

Zwar teilen Annik Wecker und ich keinesfalls den gleichen Stil: Sie liebt es offensichtlich lieblich, verspielt und ordentlich, ich eher opulent, klar und optische Zufälligkeit. Das hat sich auch nach dieser Rezension nicht geändert. Aber für ein guten Kuchen lasse ich natürlich meinen Augenschmaus im Regen stehen.

Das Genre Geburtstagskuchen ist der Inbegriff des Kuchengenusses an sich, finde ich – das süße Backwerk ist das emotionale Herzstück der Festlichkeit. So könnte man ihn aus vielen Blickwinkeln sehen.

Anniks Backbuch fächert ihn praktisch auf – nach Kleine Überraschungen, Last-Minute-Kuchen, Für Kinder. Die weiteren Kapitel Einfach schön und Mit Liebe gebacken erschlossen sich mir nicht auf Anhieb. Im Vorwort fand ich die Erklärung: ersteres sei eher für Anfänger und letzteres für aufwendige Backwerke.

Die Interpretation: von Muffin über Tarte bis Torte

Blättere ich durch das Buch, so offenbaren sich die unterschiedlichsten Einflüsse der Konditorkunst: Brownie-Kuchen, Fruchtartlettes mit Streuseln, Kuppeltorte mit Früchten, Engadiner Nusstorte, Quarktorte mit Orangen (die steht noch auf meiner Want-to-do!-Liste) und Shades of Pink.

Mit anderen Worten: man kann das Buch nur für Geburtstagskuchen verwenden, aber eben auch für den verregneten Sonntag – es ist vor allem ein Backbuch, denn hier finden sich alle Level des Aufwands – wahrhafte Projekte und Mit-Links-gemacht-nach-Feierabend – und jede Saison (die Stachelbeere habe ich allerdings schmerzlich vermisst ebenso wie die Quitte). Fondant wird hier übrigens kaum verwendet, es geht um den Geschmack.

Manchmal gibt es sogar einen Geburtstags-Twist wie der als acht geformte Nusszopf. Diese Pragmatik gefällt. Es lässt sich die Birnentorte mit Mascarpone bestaunen, aber dann wird es die weniger imposante Zitronentarte.

Meine Empfehlung:  Wiener Biskuit

Für den praktischen Teil der Rezension habe ich in allen Kapiteln gestöbert – mit Ausnahme des Kinder-Teils, denn meine Tochter findet kindliche Lustigkeiten wie Piratenschiff, Feen, Hexen und Monstermuffins inzwischen uncool.

Mit dem Brombeerkäsekuchen begann ich: hier reizte der Bröselboden, der ohne Backen auskommt, mit Nüssen, Schokolade und Butterkeksen. Auch sah der Kuchen top aus. So gelang er auch, aber aromatisch  blieb er blass – der Frischkäse dominierte sehr.

Die schnelle Johannisbeertarte folgte ihm, weil ich noch ein Beeren-Beutelchen vom letzten Sommer im TK hatte. Sie sieht so unscheinbar aus, ist sie auch in der Zubereitung, aber erweist sich als leichter cremiger Genuss begleitet von pointierten Johannisbeeraroma. Ein Rezept fürs Repertoire. Auch meine Mutter schwärmt.

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Schließlich sprang ich ins Kapitel der Königsklasse. Nach ihrer Patisserie-Ausbildung an der Cordon Bleu wäre ihre Freude aufwendige Torten herzustellen besonders groß, schreibt die Autorin. Das spürt der Leser.

Hier manifestierte sich auch mein Eindruck der handwerklichen Präzision, die sich in der Zubereitungsbeschreibung spiegelt – bemerkenswert. Selten hab ich gerätselt, aber hinzugefügt sei, dass ich von manch langer Zubereitungsbeschreibung beeindruckt jede vorab zweimal gelesen habe. Auf diese Weise gelangen mir sogar die Biskuitringe auf Anhieb. Gelernt habe ich zudem die Zubereitung des Wiener Biskuits, der auf 55 Grad heiß und dann kalt geschlagen wird. Das Ergebnis ist großartig: der luftige Biskuitteig erwirbt so eine wunderbare Stabilität fürs Backen.

Neue Einflüsse?

Unsere Meinung über den Mengen-Einsatz von Frischkäse und Mascapone gehen deutlich auseinander. Kalorien sind mir Wurscht, aber mein Magen fand zwei Backwerke etwas schwer. Vermisst habe ich zudem frische Früchte, ein überraschendes Element wie Wildheiten bei den Kinderkuchen – statt Barbie und Pirat – oder der Aromapaarungen und Heterogenität der Zutaten.

Annik Wecker interpretiert den Geburtstagskuchen der Bäckerin zuhause zugewandt, realistisch und liebevoll: mit Backwerken für jede Vegetationssaison und jedes Zeitbudget. Ihre Stärke sind das handwerkliche Können, dass sich in der Präzision der Rezeptbeschreibung niederschlägt, so dass man sogar durch die Kokstorte Coco Rouge mit fünf Elementen an Böden und Cremes zwar hyperkonzentriert, aber sicher geführt wird ohne Schweißtropfen. Jeder meiner probierten Kuchen hätte ein Geburtstagskind jeden Alters zum Strahlen gebracht. Ich freue mich aber noch mehr auf die künftigen Werke der Autorin, wenn sie die Komfort-Zone der konventionellen Zutaten verlässt und Neues sucht.

Nachgekochte Rezepte:

Brombeerkäsekuchen

Sieht dank eines einfachen Kniffs bildschön aus, kommt ohne Backen aus, dürfte aber aromatisch feiner sein.

Himbeertorte
Eine bildschöne Himbeertorte ist diese mit Marmelade gefüllten Biskuitringen, Creme und Frucht. Aber recht mächtig mit gesamt 550 g Mascarpone und Frischkäse und aromatisch fehlte ein Akzent.

Geschrieben im Februar 2016