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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | June 25, 2016

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Backbuch von Anna Brones & Johanna Kindvall: Fika ★ ★ ★ ★ ★

Backbuch von Anna Brones & Johanna Kindvall: Fika
Rezension

Fika: The Art of The Swedish Coffee Break, with
Recipes for Pastries, Breads and Other Treats
Anna Brones
Illustrationen Johanna Kindvall
Ten Speed Press (2015)

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling - zum Schwärmen gut!

Annick Payne Von

Fika ist die Umkehrung von kaffe (Kaffee) zu fäka. Fika, das ist die schwedische Kaffeepause mit kleinen Leckereien, die, wie die Autorinnen versichern, in Schweden so alltäglich ist wie das Frühstück. Fika kann man alleine oder gemeinsam und an jedem Ort machen, wichtig sei nur, dass man sich Zeit für eine Pause nähme: darum geht es. Fika bedient sich klassischer Rezepte, die zum allgemeinen schwedischen Kulturgut gehören, welche angeblich bereits das Wort Kaffee dem typischen Schweden suggieriert, z.B. schokoladiger Kladdkaka oder zimtschwangere Vetebullar. Fika ist sowohl Nomen und Verb, wer fikat, soll den Autoren zufolge einen magischen Moment in die übliche Routine und den profanen Alltag zaubern. Klingt vielversprechend, oder?

“Fika“ ist das Kind der Autorinnen Anna Brones, einer in Paris lebenden Amerikanerin mit schwedischen Wurzeln, und Johanna Kindvall, einer in New York lebenden schwedischen Illustratorin. Der Band zeichnet sich aus durch gute, verlässliche Rezepte, die entgegen aller Konvention nicht durch Fotos, sondern durch entzückende Zeichnungen liebevoll illustriert sind. Der ein oder andere kennt diesen Stil vielleicht schon von Johanna Kindvalls Kokblog. Anna Brones schreibt u.a. für die von ihr gegründete Webseite foodie underground, demnächst wird es hier bei Valentinas mehr zu ihrem zweiten Kochbuch, The Culinary Cyclist, zu lesen geben.

Zur Ruhe kommen

Das Buch, so berichten die Autorinnen, entstand aus dem Wunsch, auch außerhalb von Schweden selber zu backen und das Ideal traditioneller Fika-Backwaren hochzuhalten, wobei althergebrachte Rezepte durchaus modernisiert und ggfs. auch vereinfacht wurden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Qualität der Zutaten, von frisch zermörserten Gewürzen bis hin zu handgekneteten Teigen. Im Sinne der Fika, die von uns verlangt, dass wir zur Ruhe kommen und eine Pause einlegen, will das Buch daran erinnern, sich beim Backen aufs Einfache, Hausgemachte zu besinnen.

website-anna-brones-valentinas

Fika ist ein Backbuch, das davon lebt, Emotionen zu wecken, und dies gelingt sowohl auf den Buchseiten durch den Charme der einzigartigen Illustrationen als auch in der Küche, die schnell eine verführerisch duftende Gemütlichkeit ausstrahlt. Fika ist ein wenig wie ganzjährig Advent. Zu den Rezepten: in fünf Kapiteln, die sich einer Geschichte des schwedischen Kaffees, der modernen Fika, der Picknick Saison, Festen und belegten Broten widmen, erfahren wir, was das Herz der Schweden höher schlagen lässt.

Um mich ist es schnell geschehen, je weiter ich blättere, da mich die Illustrationen in ihren Bann nehmen. Die retro-Kaffetassen, die elegante Dame mit Hut (hier muss ich unweigerlich an die Prusseliese aus den Pippi Langstrumpf-Filmen denken), und erst die Backwaren. Die rieche und schmecke ich in meiner Vorstellung viel deutlicher als auf der Basis üblicher Food-Fotos.

Es duftet zwischen den Seiten nach Kardamom, Anis und Ingwer

Keine Frage, meine Backversuche müssen mit den Zimtbrötchen beginnen, die auf Anhieb begeistern. Eindeutig das beste Rezept hierfür, das ich bislang probiert habe. Überhaupt, die Auswahl an Keksen ist beeindruckend, für alle Jahrezeiten ist etwas dabei, im Advent werden wir sicher noch die Pfefferkuchen probieren. Oder doch lieber das St. Lucia Gebäck? Auf Kardamom, Anis und Ingwer stößt man immer wieder, auch in überraschenden Kombinationen wie den großartigen, mit frischem Ingwer aromatisierten Baiser. Auch Kuchen kommen nicht zu kurz: Früchtebrot, Kardamomkuchen, Mandelkuchen, um nur einige zu nennen.

Wer sich lieber bei herzhaften Smörgås-Snacks erholt, findet reichlich Rezepte für Brot und Brötchen, vom Knäckebrot über einen Roggenlaib bis hin zu schwedischen Scones. Dem Belag sollen keine Grenzen gesetzt sein, die Autorinnen steuern nur ein paar Vorschläge bei, wie eingelegter Hering mit saurer Sahne und roten Zwiebeln; Krabben, Eier und Dill oder halbierte Fleischbällchen auf Rote-Beete-Salat.

Das Picknickkapitel entführt uns in schwedische Auen und Wälder, wo wir eingeladen sind, Beeren und Blüten sammeln. Dann geht es ans Eingemachte: Rhabarber- oder Fliedersaft, Marmelade aus Blau- und Himbeeren, aber natürlich auch der ein oder andere Obstkuchen stehen auf dem Programm. Wie schade, dass die wärmere Jahreszeit im hohen Norden so kurz ist! Dafür freut man sich auf die Zeit, in der es heißt, sich mit einem Glühwein durchzuwärmen.

Fika ist ein kleines, aber feines Themenkochbuch, das man allen, die einer erholsamen Pause mit Kaffee und Kuchen nicht abgeneigt sind, wärmstens empfehlen kann. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht die letzte Kooperation der Autorinnen ist.

Nachgekochte Rezepte:

Märta’s Sliced Chocolate Cookies
Ein mürber Traum von einem Schokokeks.

Coconut Peaks
Super einfach und wunderbar saftig.

Nutmeg Slices
Nicht schlecht, aber für meinen Geschmack ein Tick zu süß.

Geschrieben im Februar 2016